Eintrag vom 26. Juni 2006:

Arbeit gibt es eigentlich genug…


Alle reden von den Millionen von Arbeitslosen. Davon, dass viele von ihnen gar nicht arbeiten wollen, und dass für die anderen nicht genug Arbeit vorhanden ist. Der Begriff der „Servicewüste Deutschland“ geht durch die Medien. Und mit was? Mit Recht!

Das erste Aha-Erlebnis hatte ich, als ich vor nunmehr 10 Jahren in den USA war. Das Personal in den Geschäften war freundlich bis zum Erbrechen, und der König Kunde wurde vorzüglich bedient. Da wäre z.B. das Eintüten der Einkäufe – versuchen Sie gar nicht erst, den Angestellten davon abzuhalten. Entweder, er will es nicht verstehen, oder er ist ernsthaft beleidigt! Oder die Bedienung in Restaurants – da wird der kostenlose (!) Refill in Ihr Glas gegossen, bevor der letzte Schluck der vorherigen Füllung in Ihrem Magen angekommen ist. Fehlt eigentlich nur noch ein Klopapier-Abreißer auf jeder Toilette. Und selbst dieser würde seine Arbeit noch verrichten, als wäre sie die wichtigste auf der ganzen Welt.

Mit dieser Einstellung ließen sich auch bei uns hunderttausende Arbeitsplätze schaffen. Natürlich sind diese im Niedriglohnbereich. Aber was ist schlimm daran? Bevor ich mir den Hintern auf dem Sofa breitsitze und Hartz IV kassiere, arbeite ich lieber für das Geld. Nur leider ist dies in Deutschland praktisch gesehen eigentlich unmöglich.

Versuchen Sie z.B. mal, eine Putzhilfe für wenige Stunden pro Monat zu bekommen. Da haben Sie genau zwei Möglichkeiten: Entweder, Sie stellen jemanden „fest“ ein und kämpfen mit der überbordenden Bürokratie beim Finanzamt, bei der Krankenkasse und der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie müssen im Krankheitsfall den Lohn fortzahlen und für Ersatz sorgen – das ist viel zu viel Arbeitsaufwand für wenige Stunden pro Monat. Oder aber Sie suchen jemanden auf dem „freien Markt“ (auch Schwarzarbeit genannt), so wie einige meiner Nachbarn und Bekannten. Da bleibt einem zwar der Bürokratieaufwand erspart, aber dafür ist es illegal und viel unsicherer.

Eine dritte Alternative gibt es meines Wissens nicht. Nach längerer Recherche war es mir nicht möglich, ein seriöses Unternehmen im Raum Braunschweig ausfindig zu machen, welches für Privatpersonen Putzhilfen auf Stundenbasis anbietet. Oder Hilfen für den Garten. Oder Einkaufsservice. Oder Kinderbetreuung.

Was bleibt dem ehrlichen Arbeitgeber da noch für eine Möglichkeit, außer Schwarzarbeit zu unterstützen? Und mangels der entsprechenden Anbieter für solche Dienstleistungen haben auch die Arbeitssuchenden kaum eine Alternative dazu. Zumal man ganz leicht Hartz IV nebenbei kassieren kann. Ich zumindest habe die Suche erst einmal aufgegeben. Denn weder Bürokratiewahn noch Schwarzarbeit sind für mich eine akzeptable Lösung. Da putze ich lieber selbst…

©2006 Stefan Malz