Eintrag vom 27. Juni 2006:

Ich will wieder eine Pizzabox!


Es war einmal im letzten Jahrtausend: Jeder, der etwas auf sich hielt, hatte eine „Pizzabox“ unter seinem Monitor stehen. Darin befand sich entweder ein Atari Mega ST, ein Commodore Amiga oder bei den Kindern reicher Eltern vielleicht sogar eine Unix Workstation. Eins hatten all diese Geräte gemeinsam: Außer Tastatur, Maus und Monitor befand sich in einer schicken, flachen Box alles, was man brauchte, um einen sehr leistungsfähigen Computer sein eigen zu nennen.

Natürlich werden Sie jetzt sagen, dass das heute doch eigentlich genauso ist – jeder PC, jeder Mac und jede Workstation vereinen alles in sich, was des Daddlers Herz erfreut. Das stimmt leider nur im Prinzip. Denn die entscheidenden Vorteile dieser Boxen lag in mehreren Faktoren, die die heutigen Rechner nur sehr eingeschränkt erfüllen:

Erst einmal waren die Gehäuse klein und leicht. Einen Mega ST oder Amiga konnte man problemlos im Rucksack mit zu den Kumpels nehmen. Versuchen Sie das einmal mit einem der heutigen Maxi-Tower-Gehäusen. Zweitens konnte der Rechner nur minimal ausgebaut werden. Eine Speichererweiterung, vielleicht noch eine größere Festplatte, und wenn man ganz viel Glück hatte, ein schnellerer Prozessor. Das mag im ersten Moment als Einschränkung erscheinen, ist es aber meiner Meinung nach nicht. Denn das, was in der Box urprünglich ausgeliefert wurde, war perfekt aufeinander abgestimmt. Und drittens sahen die Dinger unter dem Monitor einfach toll aus, und sorgten so ganz nebenbei dafür, dass der Monitor in eine günstigere Arbeitshöhe versetzt wurde.

Aufgrund des (mir völlig unverständlichen) Trends hin zum Notebook für jeden scheint die Idee des kleinen, aber feinen Desktops völlig in den Hintergrund gerückt zu sein. Zwar gibt es einige Ansätze (Mac Mini, AOpen MiniPC, Dell Optiplex USFF), aber keiner davon ist wirklich konsequent. Die Gehäuse sind als Monitorständer ungeeignet, sie enthalten keine High-End-Komponenten (vor allem im Grafikbereich), zu langsame Festplatten und können nicht mit genug Speicher ausgebaut werden.

Und wenn wir schon mal beim Thema Notebooks sind: Wer kann wirklich mit diesen verkrüppelten Tastaturen, Touchpads und Displays dauerhaft arbeiten? Da braucht man doch einen Satz „normale“ Tastatur, Maus und Monitor an jedem Arbeitsplatz. Und hat im Endeffekt einen Rechner, der, um möglichst ernergiesparend und leicht zu sein (was aber niemand wirklich nutzt), unnötig teuer, langsam und anfällig ist.

Da würde ich viel lieber eine Pizzabox in den Rucksack packen und mitnehmen. Notfalls auch mit Tastatur, Maus und 17" TFT. Da bekommt man locker die doppelte Leistung eines Notebooks zum geringeren Preis. Und kann vernünftig damit arbeiten! Oder wie wäre es mit einem Portable: Erinnern Sie sich noch an den Compaq Portable III? Eine solches Gerät mit heutiger Technik (aber bitte ohne Akkubetrieb) wäre der Hammer…

©2006 Stefan Malz