Eintrag vom 5. Juli 2006:

Ein Plädoyer für die Langsamheit


Das Leben scheint immer schneller zu werden: keiner hat mehr Zeit, alle haben es eilig, und jede Sekunde zählt. Jeden Morgen auf dem Weg ins Büro stelle ich fest, wie wenig Geduld der Mensch doch hat. Direkt um die Ecke ist eine hübsche Baustelle – eine Straße wie eine Kraterlandschaft, Geschwindigkeitsbegrenzung auf 10 km/h, und immer mal wieder längere Blockaden durch Baufahrzeuge. Egal, wann ich dort langgehe, es wird gehupt und geflucht. Alle haben es eilig. Jeder weiß, dass die Straße de facto gesperrt ist, doch alle wollen (nein, müssen!) genau jetzt dort hindurch. Stress pur!

Doch was bringt das? Der Zustand des „in Eile sein“ als solches bringt erst einmal keinen Nutzen. Niemand schafft mehr, nur weil er in Eile ist. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass gerade diejenigen, die jeder Sekunde hinterherjagen, viel weniger erreichen. Denn ständige Eile führt zu Stress, und der führt zu unnötigen Fehlern und zu Vergesslichkeit. Wer ständig Gedanken darauf verschwendet, wie er Zeit sparen kann, hat keine Zeit mehr, über die wirklich wichtigen Dinge nachzudenken. Oder einfach mal die Seele baumeln zu lassen, um auf neue Ideen zu kommen.

Nichts ist entspannender als morgens lieber etwas früher aufzustehen, um nach Frühstück und Morgentoilette noch etwas Zeit zu haben, in Ruhe über den kommenden Tag nachzudenken. Ohne Eile alle wichtigen Themen noch einmal zu durchdenken. Oder einfach nur „sinnlos“ herumzusitzen und zu entspannen. An einem derart begonnenen Tag kann einen kaum etwas aus der Ruhe bringen. Ein gutes Mittel gegen den ständigen Zeitdruck ist eine bewusste Verlangsamung von Tätigkeiten, die nicht zeitkritisch sind. Einfach mal das Fahrrad statt des Autos nehmen, oder gar zu Fuß gehen. Ganz automatisch stellt sich Entspannung ein und der Geist atmet auf.

Geben Sie sich einen Ruck und werden Sie langsam. Lästige Arbeiten machen, sobald sie ohne Zeitdruck erledigt werden, gleich viel mehr Spaß. Sie werden spüren, wie gut Ihnen die Abkehr vom gesellschaftlich verordneten Druck des „Schnell! Schnell!“ tun wird. Aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn es nicht sofort klappt – Gewohnheiten lassen sich nur schwer ablegen.

Sasha singt in seinem Lied „Slowly“:

  So we should go there slowly.
  Runnin’ is a waste of time –
  The time you need to ease your mind.


und dem kann ich nur zustimmen. Nicht umsonst sagt das Sprichwort: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Möge diese Kraft mit Ihnen sein!

©2006 Stefan Malz