Eintrag vom 12. Juli 2006:

Freiheit für die Daten!


Wenn Sie gelegentlich die Schlagzeilen in der Computer-Presse verfolgen, haben Sie bestimmt schon von der Diskussion über Software-Patente gehört. Immer mehr Firmen versuchen, ihre Ideen und Algorithmen zu patentieren. Natürlich nur, weil sie unser Bestes wollen – nämlich unser Geld. Doch diese Software-Patente sind nur ein kleiner Teil des Gesamtproblems. Viel schlimmer ist die regelmäßige Geiselnahme unserer Daten! Nehmen Sie sich bitte mal die Zeit, und denken Sie darüber nach, was an Ihrem Computer (und allen Geräten der Unterhaltungselektronik) das ist, was für Sie einen echten, dauerhaften Wert hat.

Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Geräte und Software eigentlich nebensächlich und jederzeit ersetzbar sind. Nicht aber die damit erzeugten und verwalteten Daten. All die Bits und Bytes, die sich in den unterschiedlichsten Datenformaten auf der Festplatte, den CDs, DVDs und Speicherkarten tummeln. Sie machen den wahren Wert aus. Und streng genommen sind diese Daten der ureigenste und persönlichste Besitz, den Sie haben. Auf genau diese Daten haben es die großen Software- und Medienfirmen abgesehen. Ständig werden Ihre Daten von denen in Geiselhaft genommen, ohne dass Sie es sofort merken. Bewusst wird es Ihnen erst, wenn es vielleicht schon zu spät ist.

Diese Geiselnahme soll primär dazu führen, dass Sie immer brav das bisherige Programm (oder neuere Versionen davon) einsetzen, da ein Wechsel aufgrund unterschiedlicher Datenformate entweder unmöglich oder aber zumindest riskant und aufwändig wird. Ein Großteil der Programme benutzen nämlich Datenformate, die entweder nicht dokumentiert oder (noch schlimmer!) patentiert sind. Ein anderer Anbieter hat häufig keine Möglichkeit, diese Daten zu lesen – die Konkurrenz ist erfolgreich ausgestochen. Wirklich riskant wird dies, wenn der Anbieter, der die Daten lesen kann, nicht mehr existiert. Oder es aus rechtlichen Gründen nicht mehr darf. Schon sind Ihre Daten futsch! Da hilft auch kein Backup… Stellen Sie sich einmal vor, ab morgen kann (oder darf) niemand mehr JPEG-Dateien öffnen. Oder MP3-Dateien. Oder DOC-Dateien.

Da begrüße ich die Bestrebungen, endlich offene und patentfreie Formate für die wichtigsten Anwendungsgebiete zu schaffen und durchzusetzen. Da wäre zum Beispiel das Open Document Format (ODF), dass als ISO-Standard angemeldet wurde, und welches von vielen Behörden schon gefordert wird. Gleiches sollte es auch in anderen Bereichen geben: Bilddateien, Rohdaten von Digitalkameras, CAD-Daten, Grafikdaten, etc.

Dabei muss es vor allem „simple“ Austauschformate geben, die das Wesentliche transportieren und möglichst leicht von jedermann zu lesen und zu schreiben sind. Aber auch die komplexen, nativen Formate der Anwendungen müssen offengelegt werden. Nur so bleiben die Daten in Besitz des Anwenders.

Aber solange Sie als Anwender dies nicht fordern, wird es nicht soweit kommen. Also – rauf auf die Barrikaden, und fordern Sie Freiheit für Ihre Daten!

©2006 Stefan Malz