Eintrag vom 3. August 2006:

Können Sie auf Ihrem PC ein Spiegelei braten?


Der gerade zu Ende gegangene Juli war der heißeste Juli seit über einhundert Jahren. Und er hat mal wieder eines gezeigt: Heutige PCs sind nicht nur als Computer zu gebrauchen, sondern notfalls auch als Heizung, Grillplatte oder Alarmsirene.

Bei diesen Temperaturen (die noch nicht einmal so extrem sind) werden Notebooks auf der tendenziell schlechter gekühlten Unterseite gern einmal so heiß, dass man sich beim Versuch, sie als sprichwörtlichen „Laptop“ zu verwenden, fast die Oberschenkel verbrennt. Und die kleinen, normalerweise angenehm leisen Lüfter an der Seite desselben heulen, als ob eine Sirene im Raum stünde.

Auch der nur mit dem nötigsten ausgestattete Arbeitsplatz-PC ist mehr eine Umluftheizung denn ein Arbeitsgerät. Und auch hier ist die Lärmentwicklung durch zahlreiche Lüfter (je einen für das Netzteil, den Prozessor, und vielleicht auch die noch Grafikkarte) nahezu unerträglich. Dazu kommt dann noch die Abwärme eines schönen 20 Zoll Röhrenmonitors, der außer einem richtig geilen Bild (viel besser als jeder TFT-Monitor) leider auch richtig viel Wärme und Strahlung produziert.

In solchen Momenten wünsche ich mir eine Auszeichnung jedes PCs und jedes Peripheriegerätes mit einem Energieeffizienz-Aufkleber, so wie es seit langem bei jeder Waschmaschine und jedem Kühlschrank Pflicht ist. Am liebsten natürlich mit konkreten Zahlen, z.B. die Leistungsaufnahme in Watt im Regelbetrieb, d.h. im Fall eines Computers mit 10% Prozessorlast in 90% der Zeit, und 100% Prozessorlast in 10% der Zeit. Dazu regelmäßige Zugriffe auf die Festplatte, und Aktion auf dem Bildschirm, damit auch die Grafikkarte in Schwung kommt.

Heutige PCs bekämen wahrscheinlich die schlechteste Klasse „F“ zugeteilt. Wenn ich allein daran denke, wieviel Strom ein schneller Pentium 4 oder Athlon so zieht, wieviel im Netzteil abhanden kommt, und wieviel für den Betrieb aller Lüfter benötigt wird, dann wird mir ziemlich mulmig.

Ein gutes Notebook kommt vielleicht in den Bereich der Klasse „D“, denn es benötigt zwar deutlich weniger Strom, liefert dafür aber auch deutlich weniger Leistung, vor allem aufgrund der verwendeten Stromspar-Prozessoren, langsameren Festplatten und vergleichsweise miserablen TFT-Displays.

Langfristig denke ich, dass die Integration von Standardbauteilen einerseits noch viel zu gering ist (wer braucht z.B. eine getrennte Grafikkarte in einem Büro-PC?), und andererseits die Ansprüche der Anwender völlig überzogen sind. Kaum jemand kann den „ich-hab-alles-drin-was-du-brauchst-und-noch-viel-mehr“-Computer, der regelmäßig beim Discounter nebenan oder bei Online-Versendern angeboten wird, wirklich ausnutzen.

Und kaum jemand benötigt wirklich das Monster-Maxi-Tower-Gehäuse mit 300 oder 400 Watt Netzteil – auch wenn es noch so „geil“ aussieht. Ein kleines, aber feines, gut ausgestattetes Desktop-Gehäuse mit wenigen, optimal auf einander abgestimmten Komponenten der mittleren Leistungsklasse reicht normalerwiese völlig.

Rechnen Sie sich mal aus, wieviel Strom auf der Welt gespart würde, wenn alle PCs der Welt ihren Verbrauch nur um 50 Watt reduzieren würden…

©2006 Stefan Malz