Eintrag vom 14. Dezember 2006:

Vier Standards = kein Standard


Ich weigere mich! Nur unter Androhung von Gewalt (oder Entzug) bin ich bereit, vom analogen zum digitalen Fernsehen zu wechseln. Mindestens einmal im Quartal bekomme ich einen Anruf von Kabel Deutschland. Mal versucht mich eine nette Stimme von den Vorzügen des digitalen Kabelanschlusses zu überzeugen, mal versucht eine eher drohende Stimme mich zu warnen, dass bald keine Sender mehr analog zu empfangen wären. Und immer wird mir das Fernsehparadies auf Erden für ganz wenig Geld versprochen.

Doch leider hat dieses Angebot einen ganz großen Haken, und darauf weise ich die Stimmen im Telefon auch immer wieder gerne hin: Es gibt keine verlässlichen Standards mehr, und keines der heutigen Geräte ist wirklich in der Lage, digitales Fernsehen komplett zu unterstützen.

Früher war alles ganz einfach: Es gab eigentlich nur eine Art, Fernsehen zu empfangen - via Antenne. Jeder Fernseher hatte das entsprechende Empfangsteil (historische Anmerkung: so hießen früher, als wir noch Deutsch sprachen, die Receiver) und funktionierte einfach. Später kam dann das analoge Kabelfernsehen dazu. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten waren neue Fernseher auch mit Empfangsteilen dafür ausgestattet. Einstöpseln und gut. Genauso was es mit Videotext: schon nach kurzer Zeit hatte jedes Gerät das entsprechende Empfangsteil eingebaut.

Warum war das so? Weil es immer nur jeweils einen Standard gab. Man musste nicht überlegen, jeder Fernseher konnte prinzipiell alles. Vor allem aber ohne einen zusätzlichen, externen Receiver, und ohne eine zweite Fernbedienung.

Heute sieht das leider ganz anders aus. Wir haben bei uns im Haus drei Fernseher und einen Videorekorder (ja, ich gestehe, tatsächlich so ein antikes Teil mit VHS-Kassetten). Derzeit sind diese ans analoge Kabelfernsehen angeschlossen, und können somit alle die gleiche 37 Sender empfangen bzw. aufnehmen. Einfach so.

Wollte ich nun auf digitales Fernsehen umsteigen, müsste ich mich zuerst entscheiden:
  • DVB-T (kostenlos, dafür schlechte Bildqualität und wenig Sender)?
  • DVB-C (beste Bildqualität, viele Sender, dafür teuer)?
  • DVB-S (größte Senderanzahl, brauchbare Bildqualität, aber anfällige Technik)?
  • DVB-S2 (mit HDTV, aber noch nicht ausgereift)?

  • Wie auch immer die Entscheidung ausfallen würde - es müssten vier Receiver angeschafft und verkabelt werden. Das bedeutet viermal einen Stromanschluss (mit ständigem Stromverbrauch in der Bereitschaftsstellung), viermal Anschlusskabel zum Fernseher bzw. Rekorder, und vier zusätzliche Fernbedienungen.

    Warum bitte schaffen es die großen Hersteller auch nach Jahren nicht, Fernseher und DVD-HD-Rekorder anzubieten, die einfach einen Universalreceiver für alle Standards integriert haben? Technisch ist das möglich, es gibt schon Ein-Chip-Lösungen, die DVB-T, DVB-C und DVB-S gleichzeitig können. Wenn es endlich so weit ist, dann steige ich gerne um. Dann lohnt auch die Anschaffung eines neuen Flachbildfernsehers oder DVD-HD-Rekorders. Aber das wird wahrscheinlich nie geschehen. Denn vier Standards sind effektiv gar kein Standard.

    ©2006 Stefan Malz