Eintrag vom 18. Juni 2007:

Die „All-Inclusive“-Gesellschaft


Heute morgen war es mal wieder soweit: Kaum hatte ich meinen privaten E-Mail-Account geöffnet, da kamen fast 100 E-Mails herausgesprudelt. Nachdem zwei Spam- und Junk-Filter damit fertig waren, blieben immerhin ganze zwei (!) sinnvolle E-Mails übrig. Oft genug komme ich morgens in die Firma, um dann erst einmal fünf oder gar zehn Seiten Fax zu entsorgen, in denen irgendwelche dubiosen Firmen ihre absolut bahnbrechenden Produkte anbieten.

In solchen Momenten denke ich immer wieder gern an meinen letzten Urlaub auf Lanzarote zurück: Stichwort „All Inklusive". Beim Urlaub bedeutet dies Essen und Trinken bis der Arzt kommt. Das kann nett sein, zumal man auch bewusst „Nein“ sagen kann. Für die Wirtschaft allerdings bedeutet der analoge Term „Flat-Rate“ ein echtes Problem: Eine E-Mail kostet für den Sendenden effektiv nichts mehr, ein Fax auch nicht. Die Folge ist klar: Ganz leicht können Millionen von potentiellen Kunden mit Werbung bombardiert werden, die sie nicht möchten, und gegen die sie sich effektiv nicht wehren können, ohne ihre Kommunikationsfähigkeit einzubüßen.

Erstaunlich, wie viel Raffinesse solche Werbetreibenden und ihre Komplizen, die Adressensammler, an den Tag legen. Da werden automatisiert Webseiten nach E-Mail-Adressen und Faxnummern durchforstet. Sogar einfache Klartext-Verschlüsselungen wie „mail at myaccount dot com“ werden von den neueren Tools erkannt und dankbar in die Opfer-Datenbank aufgenommen. Da mag die Kaltacquise in Deutschland theoretisch verboten sein, doch wirklich wehren kann man sich nicht. Soll man eine Firma z.B. aus Südafrika verklagen, nur weil sie einem ein Fax geschickt hat? Rechtsanwälte sind zwar sehr eifrig, aber da dürfte es dann doch aufhören.

Meines Erachtens bestünde die einzige Lösung darin, jegliche Flat-Rates zu verbieten. Weltweit. Egal, ob E-Mail, Fax oder Telefon. Pro E-Mail fünf Cent Versandkosten, und Massen-Mailings lohnen sich nicht mehr. Pro Fax zwanzig Cent Versandkosten, und auch die Fax-Werbe-Fraktion würde deutlich kleiner werden. Für seriöse Anwender wären diese Kosten erträglich, zumal dadurch die Seriösität des jeweiligen Kommunikationsmittels deutlich gesteigert würde.

Das einzige und leider sehr grundsätzliche Problem besteht darin, dass wohl kaum ein Land bereit wäre, diese Kosten rechtlich durchzusetzen, und kein Provider derzeit technisch in der Lage wäre, sie einzutreiben. Und solange nicht alle mitmachen, wird es wohl beim täglichen Stau in der E-Mail-Box bleiben…

©2007 Stefan Malz