Eintrag vom 19. Juni 2007:

Wählen Sie 01805-363567 oder 01805-ENDLOS…


Eine ganz gemeine Nummer überrollt die Nation, und keiner beschwert sich: Die „0180“, zusammen mit ihrer Schwester, der „0900“, macht sich in der Service-Wüste Deutschland breit. Selbst das einstige Vorzeigekind, die „0800“, kann einem ganz schön auf die Nerven gehen.

Es gab einmal eine Zeit, da begannen große und renommierte Firmen, sich mit einer kostenlosen Hotline-Nummer zu rühmen. Damals, als es noch die Vorwahl „0130“ gab, hat man durchaus auch Menschen am anderen Ende der Leitung angetroffen, und zumeist konnten diese einem auch noch weiterhelfen. Haben Sie in letzter Zeit mal versucht, Ihren Telefonanbieter wegen einer technischen Frage zu erreichen? Oder versucht, bei Ihrer Versicherung jemanden zu erreichen, der Ihnen Auskünfte zu ihrem aktuellen Tarif geben konnte?

Ich hatte in letzter Zeit leider häufiger die Notwendigkeit, eben dieses zu tun. Und ich muss Ihnen sagen, es war kein herrliches Gefühl. Man hat sich ja schon daran gewöhnt, dass als erstes die mehr oder weniger freundliche Computerstimme ein eleng langes Menü herunterrattert, da keiner mehr unterschiedliche Nummern für die unterschiedlichen Abteilungen hat, sondern nur noch eine zentrale Nummer für alles.

Dass ich dann aber noch meine Kunden- oder Vertragsnummer über Tastatur eintippen, noch zweimal aus den Untermenüs auswählen und schließlich mindestens drei Minuten warten muss (wohlgemerkt auf meine Kosten - und 0180 kostet richtig Geld!), bis ich zu einem Sachbearbeiter aus Fleisch und Blut durchgestellt werde, zehrt echt an den Nerven.

Und wenn dieser dann auch noch fröhlich verkündet, er könne gar nicht helfen, weil sein Computer gerade nicht funktioniere und er leider nicht an einen Kollegen durchstellen könne, dann möchte man schon durch die Leitung greifen und ihn die Gurgel umdrehen.

Sehr schön ist auch unser Versuch verlaufen, eine feste IP-Adresse für unseren DSL-Zugang zu beauftragen. Vor nunmehr sechs Wochen durfte ich mich dreimal durch das oben geschilderte Verfahren bis zu einem (jeweils anderen) Sachbearbeiter durchkämpfen, um schließlich eine Faxnummer zu erfahren, unter der die Bestellung durchgeführt werden muss. Warum bitte steht diese Nummer nicht auf der Internetseite neben der Hotlinenummer?

Geholfen hat dies übrigens gar nichts – gerade gestern habe ich, nach erneuter Odyssee durch das Hotline-Labyrinth, erfahren dürfen, dass dieser Auftrag noch immer „in Bearbeitung“ wäre, aber niemand mir sagen könne, ob und wann er jemals abgeschlossen würde. Ich solle doch einfach noch einmal ein Fax senden…

Da fühlt man sich als Kunde wirklich als König!

©2007 Stefan Malz