Eintrag vom 4. Juni 2008:

Ich glaube nicht!


(Vielleicht kennen Sie ja das gleichnamige Lied von Reinhard Mey. Es ist ein herrlicher Kommentar zur Institution „Kirche“. Doch das nur nebenbei…)

Zuerst möchte ich klarstellen, dass ich an etwas glaube. Nicht an einen „Gott“, wie ihn die vorherrschenden Weltreligionen verehren, aber doch an eine höhere „Macht“. Und ich halte die Kirche insofern für sinnvoll, als sie sich lokal vor Ort um das Seelenheil und den Zusammenhalt der Gemeinde kümmert. Aber dann hört es auch schon auf.

Mit welchem Recht erdreistet sich ein einzelner Mann in Rom, seinen Millionen von Schäfchen auf der Welt vorzuschreiben, was Gott für richtig oder falsch hält? Wurde er von seinen Untertanen demokratisch gewählt? Oder kam Gott persönlich auf die Erde und sagte vor Zeugen zu ihm: „Du sollst mein Stellvertreter sein“? Mitnichten.

Doch das soll hier nicht das eigentliche Thema sein. Viel schlimmer als die verbalen Ergüsse der jeweiligen Inhaber des Papststuhls (die aufgrund ihrer Sterblichkeit häufig wechseln) ist die ständige Einflussnahme der Kirche in das tägliche Leben.

Es beginnt mit der Woche. Sie hat sieben Tage – wegen der Erschaffungsgeschichte der Erde in der Bibel. Der Sonntag ist für Christen ein heiliger Tag – weshalb die Kirche dem Staat vorschreibt, dass dieser Tag eine Sonderstellung haben muss! Es darf nur eingeschränkt gearbeitet werden, die meisten Geschäfte dürfen nicht öffnen. Die Kirche schreibt dem Staat als Ganzes (und nicht nur den Gläubigen als Einzelnen) den Sonntag und die Feiertage vor, Kirchengelände gilt noch immer als neutral. Und dann hat es die Kirche auch noch geschafft, den Staat als willigen Handlanger einzuspannen, der für sie die Kirchensteuern eintreibt. Es würde mich interessieren, ob die Kirche dafür wenigstens eine happige Verwaltungsgebühr zahlen muss. Aber auch da hat der Staat wahrscheinlich wieder aus Angst vor der Kirche den Schwanz eingekniffen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – ich habe kein Problem damit, wenn Menschen einen Glauben haben und diesen ausleben. Ich kann gut damit leben, wenn jemand aufgrund seines Glaubens an bestimmten Wochentagen grundsätzlich nicht arbeiten möchte. Wenn er an bestimmten Tagen im Jahr grundsätzlich frei hat. Aber nur, solange alle die, die keinem solchen Glauben abhängen, das Recht haben, zu allen ihnen genehmen Zeiten zu arbeiten und ihre Geschäfte zu öffnen. Und solange niemand die „Ungläubigen“ zwingt, sich aktiv an Glaubensregeln anderer zu halten.

Natürlich soll niemand sieben Tage pro Woche rund um die Uhr arbeiten. Aber dafür Regelungen zu finden ist nicht Aufgabe der Kirche, und auch nicht Aufgabe des Staates. Beide mischen sich schon genug ein. Vielmehr ist dies eine klassische Aufgabe für die Gewerkschaften!

Kurz gesagt: Ich fordere Religionsfreiheit auch für Ungläubige! Das wäre die wahre Trennung zwischen Staat und Kirche. Aber ob das jemals Realität wird? Ich glaube nicht…

©2008 Stefan Malz