Eintrag vom 23. Juni 2008:

Die Schweiz – unbekanntes Ausland?!


Gut ein Jahr ist es nun her, dass ich das letzte Mal zum Thema Service-Wüste Deutschland geschrieben habe, nun hat mich dieses Thema erneut eiskalt erwischt.

Meine Schwägerin möchte mal wieder ihren Sohn in der Schweiz besuchen, und bat mich, wie schon letztes Jahr, ihr die Bahnfahrkarten online zu bestellen. Wohl gemerkt für die Zeit deutlich nach der EM. Kein Problem, dachte ich, das dauert fünf Minuten und fertig. Also einfach www.bahn.de „ansurfen“ und mit Hilfe der Online-Reiseauskunft eine Verbindung von Braunschweig nach Davos heraussuchen. Hin- und Rückfahrt, zweimal Umsteigen, schön lange im ICE, mit Platzresevierung und – nanu? Da zeigt doch das Formular nicht wie im letzten Jahr eine Preisinformation (also »ab 254,70 EUR« oder so ähnlich), sondern nur noch „Unbekannter Auslandstarif“.

Was ist denn jetzt los? Ist die Schweiz neuerdings unbekanntes Ausland? Die Wildnis? Unerforschtes Terrain direkt vor unserer Haustür? Ein Klick auf den hinterlegten Link hilft auch nicht wirklich weiter: Die Preisauskunft wäre halt nicht möglich. Basta! Kein Hinweis darauf, wo und wie denn der Preis zu ermitteln wäre. Kein Link, keine Telefonnummer. Einfach nur: Unbekannter Auslandstarif. Ich merke, wie mein Blutdruck steigt…

Kaufen hätte ich die Karten sehr wohl können – nach Angabe der Kreditkartendaten und ohne den Preis zu kennen! Also frei nach dem alten Spruch: Überweisen Sie uns all Ihr Geld, wir schicken zurück, was wir nicht brauchen!

Nachdem ich nun einige Zeit im Internet gesucht habe, ist der einzige auffindbare Weg ein Anruf bei der Auskunft der Bahn, der sagenhafte 1,80 Euro pro Minute (!!!) kosten soll. Immerhin würde man von dort zum DB-Reiseservice weitervermittelt, der dann nur noch (hören Sie den Sarkasmus triefen?) 39 ct. pro Minute kosten soll.

Also nicht nur, dass ich als Kunde, der bereit ist, einige hundert Euro auszugeben, eine Ewigkeit damit beschäftigt bin, an die notwendigen Information zu kommen, jetzt soll ich auch noch dafür zahlen, dass die Entwickler des Buchungssystems der Bahn unfähig oder unwillig sind, eine vernünftige Preisberechnung zu realisieren. Zumal es, wie gesagt, letztes Jahr noch wunderbar funktionierte!

Wieder einmal fühlte ich mich massiv verarscht. Das kommt davon, wenn man glaubt, ein Quasi-Monopolunternehmen wie die DB würde an Kunden interessiert sein. Lieber wimmelt man sie ab oder zockt sie ab. Kein Wunder, dass der Ruf der Bahn immer schlechter wird, und die Leute lieber fliegen. Das ist zwar deutlich schlechter für die Umwelt, aber dort wird man als Kunde noch ernst genommen!

Jetzt werde ich also in ein Reisebüro gehen müssen, um dort die Beratung zu erhalten, die ich brauche. So muss die Bahn wenigstens Provision zahlen – ätsch!

©2008 Stefan Malz