Eintrag vom 25. Februar 2009:

Katalogitis


Alle reden von Umweltschutz, Abfallvermeidung und „Green IT“. Aber unser Briefkasten erzählt eine andere Geschichte. Als Firma bestellen wir regelmäßig bei den unterschiedlichsten Firmen Dinge des täglichen Bürobedarfs – von Papier über Kugelschreibern und Heftklammern bis zu Büromöbeln und Computerkomponenten. Alle Firmen, bei denen wir bestellen, haben einen mehr oder weniger ansehnlichen Online-Shop, in dem alle Artikel gefunden und bestellt werden können, und das tun wir auch.

Doch so modern diese Firmen in ihrer Internet-Präsentation auch erscheinen mögen, so rückständig ist ihr Marketing. Also nicht aus Sicht des „Wie verkaufe ich möglichst viel?“, sondern des „Wie vermeide ich Müll und schütze die Umwelt?“. Kaum eine Woche vergeht, in der der Briefkasten nicht vollgestopft ist mit Katalogen und Prospekten. Und häufig klingelt die Postbotin, weil sie das neueste 2000-Seiten-Ungetüm von Katalog nicht in unseren Briefkasten bekommt. Und immer, wenn wir irgendwo etwas bestellen (und sei es nur eine Packung Aufkleber), liegt der jeweils neueste Komplettkatalog mit im Paket. Einige hundert Seiten Papier, sinnloserweise hergestellt, bedruckt und den weiten Weg quer durch Deutschland transportiert, um sofort im Müll zu landen.

Im Ernst – wer braucht in der heutigen Zeit, in der so gut wie jeder Kunde einen schnellen Internetzugang hat, noch diese Monster-Kataloge? Für jede Ausgabe dieser waffenscheinpflichtigen Totschläger sterben viele Bäume, und der Transport durchs ganze Land verschlingt Rohstoffe und produziert Schadstoffe ohne Ende. Vom Aufwand und den Kosten mal ganz abgesehen, den die parallele Erstellung und Pflege von Online-Shop plus Katalog erzeugen.

Besonders peinlich ist da der Auftritt eines angeblich besonders ökologischen Büroartikel-Versands, der uns, obwohl wir seit Jahren dort nicht mehr bestellen, mehrmals im Jahr seinen neuesten Katalog mit knapp 1000 Seiten (innerhin auf Recycling-Papier, na toll...) zukommen lässt.

Bei keinem solcher Online-Shop habe ich bisher die Option „Keinen Papier-Katalog zusenden“ gefunden. Da lob ich mir unseren Hardware-Großhändler aus Köln: Regelmäßige Angebote per E-Mail, ein perfekter Online-Shop, und bei Bedarf kompetente Beratung am Telefon (ohne 0180er Nummer). So sollten es alle machen!

Ich jedenfalls überlege, mir die Mühe zu machen, bei allen relevanten Firmen den Katalog offiziell abzubestellen. Wobei auch das wohl wieder nur per Post funktionieren wird...

©2009 Stefan Malz