Eintrag vom 17. März 2009:

Fortschrittsbremse Patent


Ich weiß, dass mir viele Vertreter aus der Industrie jetzt widersprechen werden, aber meiner Meinung nach sind Patente eine einzige Fortschrittsbremse. Natürlich verstehe ich den Wunsch eines jeden Erfinders, „seine“ Errungenschaft für sich zu sichern und davon finanziell möglichst lange und üppig zu profitieren. Doch sobald etwas weniger egoistisch aus Sicht der Patentinhaber gedacht wird, wird klar, was Patente eigentlich tun – sie bremsen den Fortschritt.

Stellen wir uns einmal eine kleine Firma vor, die eine wirklich gute Idee hat. Was tun? In der derzeitigen rechtlichen Situation hat eine solche Firma nur wenige Optionen.

1) Der naive Ansatz: Es wird schon niemand anderes unsere Idee gehabt haben. Also entwickeln wir das Produkt weiter, bringen es auf den Markt und hoffen, dass es sich gut verkauft. Allerdings kann jederzeit ein Schreiben einer Patentverwertungsfirma bei uns eintrudeln, das das Geschäft schlagartig beendet.

2) Der rechtlich korrekte Ansatz: Wir versuchen, unsere Idee zu patentieren. Dies kostet aber eine große Menge Zeit und Geld, und ob es jemals erfolgreich ist, kann niemand wissen. Für ein solches Vorgehen fehlen jeder kleineren Firma die Ausdauer und das finanzielle Polster.

3) Der realistische Ansatz: Wir lassen es einfach sein, da die Risiken des naiven Ansatzes zu groß sind und wir uns den rechtlich korrekten Ansatz nicht leisten können.

Ergebnis: Wieder eine (vielleicht weltverändernde) Idee, die nie realisiert wird. Doch nicht nur für „neue“ Ideen ist das Patent hinderlich, auch für die Weiterentwicklung bereits gefundener Ideen. Warum sollte eine Firma einen Prozess weiterentwickeln, für den eine andere Firma ein Patent inne hat? Das gibt sowieso nur Ärger. Und die Firma, die das Patent besitzt, hat keine großen Anreiz, es zu überarbeiten.

Einen wirklichen Schutz bieten Patente sowieso nicht, denn wer wirklich will, kann jedes Patent umgehen, indem er einen Prozess hinreichend abwandelt. Und das führt schon wieder dazu, dass unnötiger Aufwand betrieben wird – auf Seiten des Patentinhabers, da ihm das ganze Patentieren nichts gebracht hat, und auf Seiten des Konkurrenten, da dieser das Patent aufwendig umgehen musste.

Noch viel allgemeiner betrachtet: Sollte es das Ziel von Politik und Rechtsprechung sein, dass heute einige wenige große Unternehmen über patent-gesicherte Quasi-Monopole das große Geld machen (siehe auch Freiheit für die Daten!) und damit die allgemeine Entwicklung bremsen, oder ist es nicht vielmehr wichtiger, die technische Entwicklung der Menschheit als Ganzes langfristig zu fördern?

Dann sollten endlich alle Patente abgeschafft werden, um der Entwicklung freien Lauf zu lassen!

©2009 Stefan Malz