Eintrag vom 31. März 2009:

Finger- und Hirnakrobatik


Sind Sie des „blinden“ Schreibens im Zehnfingersystem auf Ihrer Computertastatur mächtig? Oder zumindest, so wie ich, eines schnellen Mehrfinger-Adler-Suchsystems? Dann müssen Sie wahrscheinlich ähnlich leiden wie ich. Warum? Weil die Computerindustrie mal wieder jegliche Standards in den Wind geschossen hat und jede Firma ihren eigenen Mist macht!

Früher gab es einmal genau eine Sorte Tastatur im Standardlayout mit 102 Tasten. Alle Tastaturen waren einheitlich groß, hatten einheitliche Tastenbelegungen und sogar größtenteils identische Symbole. Aber heute?! Heute gibt es "normale" Tastaturen, ergonomische Tastaturen, platzsparende Tastaturen, Notebook-Tastaturen, Netbook-Tastaturen, Design-Tastaturen und Was-weiß-ich-nicht-Tastaturen. Und alle sind anders – andere Tastengrößen, andere Tastenanordnung, variierende Tastenanzahl, unterschiedliche Neigungswinkel, die abartigsten Symbole statt verständlicher Texte, u.s.w.

Jedesmal, wenn sich bei mir die Notwendigkeit ergibt, mehr als ein paar Zeichen auf meinem Notebook zu tippen, werde ich wahnsinnig! Die Cursor-Tasten sind woanders, es gibt keinen Zehnertastenblock, die Funktionstasten sind zu klein, und der Neigungswinkel ist viel zu gering.

Oder gar die schönen neuen All-in-One-PCs. An sich eine wirklich feine Sache. Ich sitze auch gerne mal an unserem iMac, weil er einfach schön und kompakt ist. Und auch zuhause hätte ich gerne so einen kleinen, schnuckeligen All-in-One-PC, damit nicht das ganze Arbeitszimmer mit Kabeln und Gehäusen vollgestopft ist. Aber was machen die Marketing-Strategen der großen Computer-Hersteller? Sie erfinden für jeden ihrer „Design“-PCs eine andere, neue „Design“-Tastatur, die zwar hübsch sein mag, aber absolut untauglich für ernsthaftes Arbeiten ist.

Ich könnte wahnsinnig werden! Ich will doch wirklich nicht viel – nur nicht bei jedem Rechnerwechsel das Tippen neu lernen. Mein Gehirn kann ich auch anders fordern, und meine Finger verbiege ich mir nur sehr ungern. Die brauche ich nämlich zum Arbeiten, und nicht für sinnlose Finger- und Hirnakrobatik!

©2009 Stefan Malz