Eintrag vom 12. Februar 2017:

Wiederbelebungsversuche für Zombies


Lange ist es her, dass ich den letzten Kommentar geschrieben habe. Eigentlich ist das ein gutes Zeichen, denn es gab keinen Missstand, der mich zu einem solchen Kommentar genötigt hätte. Doch nun ist es (endlich?) wieder so weit.

Am vergangenen Wochenende hatte ich eine längere Diskussion über das (angebliche) Sterben des Buchhandels im Speziellen und des Fachhandels im Allgemeinen, und dass das ja ganz schlimm wäre. Man müsse dafür sorgen, dass dies nicht geschieht, denn damit würde uns allen so viel verloren gehen! Echt jetzt?

Ich lese viel, ungefähr 50 bis 60 Bücher pro Jahr. Deutsche Krimis, englischsprachige Thriller und Krimis, deutsche Unterhaltungsliteratur (darf man das Comedy nennen?) und englische Science Fiction. Wobei – genaugenommen lese ich schon seit Jahren keine Bücher mehr. Ich lese E-Books. Also elektronische Bücher, seelenlose Ansammlungen von Nullen und Einsen. Oft werde ich gefragt, ob ich es nicht vermisse, ein „richtiges“ Buch in den Händen zu halten. Warum sollte ich? Ein E-Book hat für mich nur Vorteile:
  • Ich habe alle meine Bücher jederzeit im Zugriff. Zuhause, im Büro, unterwegs. Wann immer ich ein paar Minuten Ruhe habe, beispielsweise bei der Fahrt im Zug zur Arbeit, in der Mittagspause, auf dem stillen Örtchen. So kommt jeden Tag insgesamt locker eine Stunde Lesezeit zusammen, die sonst quasi vergeudet wäre.

  • Wann und wo immer ich auch lese, alle Geräte wissen hinterher, wo ich aufgehört habe, und ich kann sofort an dieser Stelle weiterlesen.

  • Fahre ich in den Urlaub oder auf ein Spielewochenende, muss ich nicht einige Kilogramm an Lektüre einpacken. Das Smartphone mit Ladegarät (die sowieso mitkommen) genügen.

  • Ich kann Schriftart und Schriftgröße optimal für mich wählen. Nie mehr muss ich mich darüber ärgern, dass entweder die Schrift zu klein oder der Seitenrand viel zu groß ist.

  • Viele englischsprachige Bücher wären auf Papier nur schwer zu bekommen. Das hat sich in den letzten 10 Jahren zwar deutlich gebessert, aber noch immer müsste ich bestimmt jedes zweite Buch erst langwierig bestellen.

  • Da ich nicht in einer Stadt wohne, wäre jeder Weg in eine Buchhandlung eine unnötige Zeit- und Ressourcen-Vergeudung. Und bei bestellten Büchern müsste das sogar zweimal geschehen.
Nun gibt es immer wieder Versuche, den sterbenden Buchhandel zu stärken. Manche Bücher sind anfangs nur als gedrucktes Werk zu erhalten, erst später als E-Book. Einige Verlage und Autoren verweigern sich komplett dem E-Book. Es gibt Aktionen wie Autogrammstunden und Lesungen. Alles, um potentielle Hardware-Leser in die Läden zu bekommen. Mich wird das aber nicht davon überzeugen, noch einmal ein „richtiges“ Buch zu kaufe. Vielmehr werde ich von jenem Autor oder Verlag einfach nichts mehr kaufen.

Eine vergleichbare Idee setzen in den letzten Jahren immer mehr Spielevertreiber um. Bestimmte Spiele sind eine gewisse Zeit nur im Fachhandel vor Ort zu erhalten. Auch das geht bei mir nach Hinten los – da ich keinen vernünftigen Fachhandel in der Nähe habe, gibt es für mich keine echte Alternative zum Kauf beim Versandhandel. Auch hier werden die entsprechenden Spiele einfach gar nicht gekauft. Denn wenn sie dann einige Monate später im Versandhandel verfügbar sind, sind sie schon ein alter Hut.

Für mich sind das alles Wiederbelebungsversuche an Zombies. Was schon längst tot ist, sollte man besser nicht angestrengt wiederzubeleben versuchen. Sondern versuchen, aus den neuen Möglichkeiten das Beste herauszuholen!

©2018 Stefan Malz