Meinung: Coney Island


Eigentlich hätte ich »Coney Island« aus mehreren Gründen links liegen lassen müssen. Da wäre zuerst das Thema „Vergnügungspark“, das mir gar nicht gefällt. Dann der Autor Michael Schacht, mit dessen Spielen ich bisher nicht wirklich warm wurde. Und schließlich der Illustrator Dennis Lohausen, der mich noch nicht überzeugen konnte.

Trotzdem siegte die Neugier, und ich bin froh darüber. Denn schon nach der ersten Partie wurden gleich zwei dieser Gründe widerlegt. Zuerst einmal die Illustrationen, denn die sind sehr gut gelungen. Bei Dennis Lohausen lässt sich meines Erachtens seit ungefähr zwei Jahren eine extrem positive Weiterentwicklung erkennen. Weiter so!

Dann das Spiel an sich. Lässt man das vielleicht etwas unglücklich gewählte Thema „Vergnügungspark“ außer Acht, bekommt man ein wirklich gutes Taktikspiel. Die Regeln sind vergleichsweise kurz, jeder Zug eines Spielers klar definiert und die Spieldauer nicht zu lang.

Worum geht es? Jeder Spieler führt eine Schaustellerfamilie, die mit ihren Wohnwagen nebem dem Park lebt. Die Mitglieder der Familie werden auf das Parkgelände gebracht, um das Einkommen und die eigenen Möglichkeiten zu steigern. Sobald sich im Laufe des Spiels der Spielplan füllt, wächst der Wunsch, große Fahr­geschäfte zu eröffnen – wodurch wiederum Schausteller vertrieben werden. Damit kann man die Mitspieler ärgern und selbst Siegpunkte kassieren.

Letztlich möchten aber alle ihre Familienmitglieder zurückbekommen, da bei Spielende diejenigen, die noch auf dem Plan liegen, Minuspunkte einbringen. Dadurch wird »Coney Island« zu einem Spiel, bei dem es sehr aufs richtige Timing ankommt. Dazu kommen noch Helfer in Form von Wanderarbeiter, Polizist, Mäzen, Werbejunge und Journalist, die man erst einstellt und sich dann gegenseitig wieder abwirbt, um deren Zusatzfähigkeiten zu nutzen.

Es gibt viele Möglichkeiten, an Siegpunkte zu kommen, die teilweise sehr stark erscheinen, aber nur solange stark sind, wie die Mitspieler einen lassen. Glück spielt in Form eines Beutels, aus dem Baustoffe gezogen werden, eine nicht unbedeutende Rolle, die aber durch eine entsprechende Entwicklung deutlich reduziert werden kann.

Insgesamt ein sehr gutes Spiel mit einem Thema, das weder mir gefällt noch wirklich zur teilweise aggressiven Interaktion passt. Auch liegt die Spieldauer oftmals über den angegebenen 60 Minuten. Trotzdem sollte niemand dieses Spiel verpassen!

2–4 Spieler, Spieldauer 30–60 Minuten (unsere Erfahrung: 45–90 Minuten).

Fazit: Sehr gutes, mittellanges Taktikspiel. Nur das Thema überzeugt nicht.

Stefan Malz, 12. Juli 2012 (#139)
 


Autor:
Michael Schacht

Illustration:
Dennis Lohausen

Verlag:
Argentum

Erscheinungsjahr:
2011