Meinung: Hawaii


Nachdem der Jahrgang 2010 bei Hans im Glück eher den seichten Spielen gewidmet war (»Schweinebande«, »Ranking«, »Loch Ness«), kamen 2011 zuerst mit »Pantheon« und dann mit »Hawaii« endlich wieder große, anspruchsvolle Spiele heraus.

»Hawaii« ist optisch toll aufgemacht, mit üppigem Material und sehr zu meiner Freude auch zu fünft spielbar. Der erste Eindruck des Spiels ist ein friedlicher. Nett illustrierte, saftig grüne Landschaftsfelder, Muscheln und Früchte als Zahlungsmittel, organische Formen. Eine idyllisches Inselleben, sollte man meinen.

Der zweite Eindruck ist dann schon ganz anders. Spielregel und Plättchenübersicht zusammen sind satte 16 DIN A4-Seiten lang. Das liest man nicht mal eben durch, und der Einstieg ist insgesamt recht schwer, wenn man das Spiel nicht erklärt bekommt. Aber auch die Erklärung durch einen erfahrenen Erklärer dauerte eine halbe Stunde!

Dann kommt der Aufbau. Es müssen Unmengen von Plättchen nach abgebildetem Motiv sortiert und korrekt auf dem Plan gestapelt werden. Außerdem werden am Anfang jeder der 5 Runden (je nach Spielerzahl) 22 bis 25 Plättchen aus dem Sack gezogen und auf dem Plan platziert, wobei Konzentration gefragt ist. Das dauert und kann nerven.

Das Spiel an sich ist gar nicht so kompliziert und die zahlreichen Möglichkeiten sind relativ schnell verstanden. Trotzdem habe ich noch kein Spiel erlebt, das die angegebene Spieldauer eingehalten hat. Selbst zu dritt lagen wir immer über 90 Minuten.

Obwohl sich das jetzt bis hierher etwas negativ angehört, mag ich das Spiel. Gerade zu dritt und zu viert gefällt es mir sogar ziemlich gut. Nur man sollte sich von Anfang bewusst sein, was auf einen zukommt.

Wer aber gerne etwas komplexere Spiele spielt, die auch mal 2 Stunden und länger dauern, und den Aufbau- und Verwaltungsaufwand nicht scheut, der wird »Hawaii« mögen. Man hat viele kleine Aktionen, alles ist übersichtlich angeordnet, und es gibt ausreichend unterschiedliche und erfolgversprechende Möglichkeiten, an Siegpunkte zu kommen.

Man bewegt sich über eine Insel, die für jedes Spiel neu aus 10 Teilen zufällig zusammen­gesetzt wird. Damit ergeben sich stets neue „optimale“ Wege, die es zu lesen gilt. Jede Bewegung kostet und es herrscht große Konkurrenz um die besten und günstigsten Ortsplättchen, da muss die Taktik stimmen.

Auch strategische Entscheidungen gilt es zu fällen. Lieber mehrere Dörfer aufbauen mit vielen Kahunas? Oder nur ein großes Dorf? Oder lieber viele Inseln bereisen? Alles kann funktionieren, auch Mischstrategien waren schon erfolgreich.

Durch ein gut ausgewogenes Verhältnis von Punkten, die man sofort erhält, und Punkten in der Endabrechnung, ist nicht immer offensichtlich, wer gerade die Nase vorne hat. Damit bleibt die Spannung lange erhalten.

2–5 Spieler, Spieldauer 60-90 Minuten (unsere Erfahrung 90-120 Minuten)

Fazit: Die Idylle trügt – ein anspruchsvolles, aber auch gutes Strategiespiel.

Stefan Malz, 19. März 2012 (#133)
 


Autor:
Gregory Daigle

Illustration:
Dennis Lohausen

Verlag:
Hans im Glück

Erscheinungsjahr:
2011