Meinung: Neuland


»Neuland« erschien ursprünglich 2004 und bekam schon 2008 eine komplette grafische Überarbeitung. Dies war dringend angeraten, denn die Urfassung war grafisch sehr funktional und schlicht gehalten.

Ob die neue Fassung allerdings spielerisch wirklich besser ist, mag ich noch nicht entscheiden. Denn so schön sie im Vergleich zur alten Fassung geworden ist, so unübersichtlich wurde das Spiel dadurch auch.

Auch spielerisch wird man anfangs ziemlich erschlagen. Die Anzahl der Möglichkeiten ist sehr groß, und jeder Spieler kann im Optimalfall an die 20 Aktionen nacheinander ausführen. Das ergibt eine geradezu unglaubliche Anzahl an Zugmöglichkeiten, und führt dadurch häufig zu einer recht langen Wartezeit der Mitspieler.

Das hört sich jetzt alles schlechter an, als ich es meine. Das Spiel gefällt mir ziemlich gut, weil es nur sehr wenig Glück enthält und dem Spieler viele mögliche Wege zum Sieg bietet. Alle Informationen sind offen, so dass jeder vernünftig planen kann.

Das Prinzip der Zeitleiste mit dem Gegenwartsstein ist neu und gefällt; die Art, wie Rohstoffe produziert und transportiert werden, ist elegant. Sehr gut ist auch die begrenzte Haltbarkeit von Rohstoffen realisiert.

Trotzdem wird »Neuland« bei uns nur selten gespielt, und dann meist von einigen der Mitspielern eher widerwillig.

Eine Ursache dafür dürfte im hohem Sortieraufwand bei Spielbeginn liegen. Zwanzig verschiedene Sorten Gebäudeplättchen, die im ersten Moment alle gleich aussehen, müssen in die Auslage sortiert werden. Hier fehlt eine Sortierhilfe wie z.B. klar erkennbare Nummern auf allen Plättchen oder eine deutlichere Unterscheidung über Farben.

Eine zweite Ursache dürfte die zunehmende Unübersichtlichkeit des Spielfeldes sein, die ungefähr nach einem Drittel des Spiels deutlich wird. Man sieht teilweise den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, da die Plättchen zu ähnlich aussehen.

Und eine dritte Ursache ist sicherlich die doch recht hohe Spieldauer bei wenig Abwechslung und noch weniger Kommunikation.

Wirklich schade, denn von den Mechanismen und Möglichkeiten ist es ein sehr schönes Spiel. Vielleicht gefällt es uns ja noch besser, wenn wir es einige Male mehr gespielt haben…

2–4 Spieler, Spieldauer 120 Minuten.

Fazit: Ein gutes Spiel, bei dem man aber leicht den Überblick verliert.

Stefan Malz, 10. Dezember 2009 (#62)
 


Autoren:
Tobias Stapelfeldt
& Peter Eggert

Illustration:
Klemens Franz

Verlag:
eggertspiele

Erscheinungsjahr:
2008 (2004)