Meinung: Pantheon


Nach den großartigen Spielen »Sankt Petersburg« und »Stone Age« war die Erwartungshaltung gegenüber dem neuesten Spiel aus der Feder von Michael Tummelhofer sehr hoch. Entsprechend emotionsgeladen waren viele Meldungen über dieses Spiel. Man kann es anscheinend nur hassen oder lieben.

Diese hitzige Diskussion hat mich eine Weile davon abgehalten, mich mit »Pantheon« zu beschäftigen. Und schon die erste Partie hat mir gezeigt, warum so viele Emotionen im Spiel waren: Das Spiel ist grausam!

Man kann sich auf kaum etwas verlassen, das Glück schlägt beim Nachziehen der Karten und bei der Auswahl des jeweils nächsten Volkes grausam zu. Die Interaktion ist offensiv und deutlich, man kommt sich häufig in die Quere. Und einzelne der sechs Runden können mal ewig dauern und mal nur wenige Züge. Es kommt sogar vor, dass man in einer Runde gar nicht an den Zug kommt!

Dazu kommt das flüchtige Element des Spiels. Eine Partie »Pantheon« wird in 6 Runden gespielt. In jeder dieser Runden wird zufällig ein Volk aus acht möglichen Völkern gewählt, und alle Spieler versuchen, sich von dessen Startfeld aus auszubreiten. Am Ende der Runde werden alle „Füße“, die die Wege markieren, wieder abgeräumt.

Ständig wird also ein Großteil dessen, was man erreicht hat, wieder zunichte gemacht. Besonders unangenehm ist es, wenn man sich fast bis zum Ziel ausgebreitet hat, aber dann ein Mitspieler die Runde beendet. Zack – schon waren die vorherigen Bewegungen vergebens.

Nur Säulen, die man baut, sind für die Ewigkeit und bleiben rundenübergreifend auf dem Plan. Sie können in späteren Runden sogar mitbenutzt werden und werden zweimal pro Spiel gewertet. Anfangs erscheinen sie sehr stark, sind allein aber kein Garant für den Spielsieg.

Nach mehr als 10 Partien, die meisten davon zu dritt, kann ich sagen, dass der erste Ärger über die „Willkür“ des Spiels schnell verfliegt, und einem großen Ehrgeiz Platz macht. Es gibt viele Strategien, die ausprobiert werden wollen, und ständig muss man die Mitspieler im Auge behalten, um nicht als Opfer zu enden.

Insgesamt gefällt mir »Pantheon« weniger gut als »Stone Age« und »Sankt Petersburg«, auch weil das Thema noch aufgesetzter wirkt als bei den anderen beiden Spielen. Und die Cover-Grafik ist gar nicht mein Ding. Aber trotzdem spiele ich es, vor allem zu dritt, sehr gerne.

Wie bei vielen Spielen sollte man vermeiden, mit Grüblern zu spielen, denn man kann bei »Pantheon« sehr viel grübeln und durchrechnen, um dann später festzustellen, dass der Zufall manch einen langfristigen Plan zunichte macht. Also lieber aus dem Bauch heraus spielen, dann macht es allen mehr Spaß!

2–4 Spieler, Spieldauer 60-90 Minuten.

Fazit: Nicht ganz so atmosphärisch wie »Stone Age«, deutlich willkürlicher.

Stefan Malz, 9. Februar 2012 (#131)
 


Autor:
Michael Tummelhofer
(Pseudonym)

Illustration:
Franz Vohwinkel

Verlag:
Hans im Glück

Erscheinungsjahr:
2011