Meinung: Tadsch Mahal


»Tadsch Mahal« ist eines der Spiele, die lange an mir vorbeigegangen sind. Vor einigen Jahren hatte ich es ein einziges Mal gespielt, ohne es dabei wirklich kennen zu lernen. Erst in den letzten Monaten kamen – durch diverse Zufälle – mehrere Partien hinzu.

Der erste, optische Eindruck des Spiels ist recht trocken. Ein kleiner, nicht sehr repräsen­tativer Spielplan, eine Tüte voller Plastikpaläste und ein großer Stapel Spielkarten – das war es eigentlich schon. Die Illustrationen des Spielmaterials sind insgesamt recht spärlich und nutzen blasse Farben. Auch die Spielsteine aus Kunststoff nutzen blasse und eher unschöne Farben. Dem Spiel selbst tut dies aber keinen Abbruch.

Kommen wir deshalb zum Spielablauf. Eigentlich dreht sich in »Tadsch Mahal« alles um die Spielkarten. Sie zeigen sechs verschiedene Symbole und vier verschiedene Farben (plus Weiß als Jokerfarbe). In insgesamt 12 Durchgängen legen die Spieler zuerst mehrfach reihum 1 oder 2 Karten aus, um in einem oder mehreren Bereichen (Symbolen) die eindeutige Mehrheit zu erlangen.

Steigt ein Spieler aus der Kartenphase aus, erhält er die Belohnungen für jeden Bereich, in dem er zu diesem Zeitpunkt der Mehrheit besitzt. Dadurch kann er Paläste bauen, Sonderkarten mit Privilegien und Provinzplättchen mit Waren erhalten, was ihm alles sofort Punkte einbringt, und neue Karten nachziehen.

Das entscheidene Element ist dabei das Haushalten mit den Karten. Oftmals ist es sinnvoll, komplett auf das Ausspielen und somit auf Mehrheiten zu verzichten, um eine zusätzliche Karte auf die Hand zu bekommen.

Andererseits kann es wichtig sein, in einem Durchgang als Erster eine Mehrheit zu erzielen, um einen Palast an einer bestimmten Stelle des Plans zu bauen, denn lange „Ketten“ von Palästen bringen besonders viele Punkte. Auch kann sich das Sammeln bestimmter Waren lohnen, wenn diese immer wieder gewertet werden können.

Was sich jetzt nach vielen Möglichkeiten und somit auch Regeln anhört, ist recht schnell erklärt und auch gespielt. Nach einigen Partien hat sich bei mir der Eindruck heraus­kristal­lisiert, dass wenige Wege wirklich erfolgversprechend sind, und somit insgesamt zu wenig „echte“ Möglichkeiten existieren, die es auszuprobieren gilt.

Insgesamt für mich ein Spiel, das ich hin und wieder gerne spiele, aber auch eines, das mich, vor allem gemessen an der relativ langen Spieldauer, einiges an Möglickheiten vermissen lässt.

3–5 Spieler, Spieldauer 75–100 Minuten.

Fazit: Gut, aber nicht überragend. Für die Spieldauer zu wenig Optionen.

Stefan Malz, 29. Oktober 2012 (#146)
 


Autor:
Dr. Reiner Knizia

Illustration:
Franz Vohwinkel

Verlag:
alea

Erscheinungsjahr:
2000