Meinung: Terraforming Mars


»Terraforming Mars« ist mal wieder eines dieser Spiele, die es mit mir schwer gehabt haben. Angefangen hat es mit dem großen Hype, der um dieses Spiel gemacht wurde. So etwas ist für mich ein Grund, erst einmal abzuwarten. Dann kamen das Thema (ich mag kein Science Fiction-Thema bei Spielen) und die grafische Ausgestaltung (für mein Empfinden größtenteils hässlich).

Somit hat es fast ein Jahr gebraucht, bis ich im Juni 2017 die erste Partie gespielt habe. Auch diese konnte mich noch nicht wirklich begeistern – hauptsächlich überschattet von Thema und Grafik. Doch zwei Partien später hatte es gezündet. Denn spielerisch ist »Terraforming Mars« absolut herausragend!

Mit vergleichsweise wenig Spielmaterial und einer genialen Verwendung von Universalklötzchen für (fast) alles ergeben sich unendliche Möglichkeiten. Alleine die über 200 individuellen Spiel­karten, die in einer normalen Partie auch mal durchgespielt werden, schaffen eine unglaubliche Vielfalt. Spielt man dann noch mit einer Auswahl aus 3 oder 4 Konzerne bei Spielbeginn, wird jede Partie anders.

Inzwischen habe ich mehr als 30 Partien gespielt und werde es auch zukünftig gerne weiter spielen, vor allem in Kombination mit den beiden Erweiterungen, die durch zwei neue Spielpläne und noch mehr Karten die Vielfalt auf ein noch höheres Niveau heben.

Einige Kritikpunkte bleiben, doch können diese das positive Spielgefühl nicht wirklich trüben:

Die Markierungssteine auf den Skalen der Spielertableaus können leicht verrutschen und deren Positionen lassen sich nachträglich nicht wieder herleiten. Jeder Spieler tut also gut daran, sich die Stand der sechs Skalen genau einzuprägen, um im Falle eines Tischrücklers oder eines Ärmelwischers alles wieder herstellen zu können. Zwar gibt es inzwischen vom Verlag und von Drittanbietern Auflagen aus Plexiglas, die ein Verrutschen mehr oder weniger verhindern, doch sind diese nicht preiswert, sehen nicht toll aus und machen das Handling umständlicher.

Die Grafiken der Spielkarten sind oftmals eher simpel und einfallslos. Angesichts der inzwischen fast 300 Karten ist das aber zu verzeihen, zumal diese Grafiken für das Spiel unwichtig sind. Die Grafikerkosten für 300 hochwertige Kartenillustration wären kaum bezahlbar! Viel mehr stören mich da schon die lieblosen Grafiken des Tableaus und der Spielpläne. Sie wirken wie Compu­tergrafiken von vor 20 Jahren – Hauptsache bunt und mit vielen Farbverläufen!

Positiv hervorzuheben ist hingegen die Symbolik. Trotz den extremen Vielfalt an Ressourcen und Ausbaumöglichkeiten ist die Symbolik bis auf wenige Ausnahmen eindeutig, leicht zu erkennen und vor allem: gut zu verstehen. Das ist bei einem derart komplexen Spiel leider nicht oft der Fall.

Insgesamt ist »Terraforming Mars« ein unglaublich gutes Spiel, welches trotz extremer Vielfalt und hinreichender Komplexität nicht kompliziert ist und mit einer relativ geringen Einstiegshürde auskommt. So kann es sogar mich als Science Fiction-Muffel überzeugen!

2–5 Spieler, Spieldauer 120 Minuten.

Grafik gefällt mir nicht, Handling ist fehleranfällig. Spielerisch aber extrem gut!

Stefan Malz, 13. Februar 2018 (#176)

 


Autor:
Jacob Fryxelius

Illustration:
Isaac Fryxelius

Verlag:
Schwerkraft

Erscheinungsjahr:
2016