Meinung: Augsburg 1520


Geld allein macht nicht glücklich, aber es hilft doch ungemein. Vor allem, wenn man es sinnvoll für sich arbeiten lassen kann. Zu Zeiten des Kaisers Maximilian I. leiht sich der Adel fleißig Geld bei umtriebigen Kaufleuten – und zahlt dieses selten zurück. Stattdessen erhalten die Kaufleute, allen voran Jakob Fugger, einen Ausgleich in Form von Ämtern und Handelsrechten, die viel wertvoller sind.

In »Augsburg 1520« versuchen die Spieler, dem Erfolg von Jakob Fugger nachzueifern. Sie verleihen Geld an Adelige und erhalten im Tausch Schuldscheine. Anstatt diese wieder in Geld zu wandeln, versuchen sie, dafür Privilegien zu ergattern. Das kann ein Handels­recht sein, welches regel­mäßiges Einkommen sichert. Oder ein Adelstitel, der das Prestige mehrt. Oder ein Amt in der Stadt, welches viele Vorteile mit sich bringt.

Über mehrere Runden beschafft man sich zuerst für sein Geld möglichst wertvolle Schuldscheine von vier verschiedenen Adeligen und versucht anschließend, mit diesen in der Hand bei den jeweiligen Adeligen vorstellig zu werden und im Tausch gegen diese Schuldscheine Privilegien zu erwerben.

Dabei kommt nur jeweils der Spieler zum Zuge, der die meisten oder, bei zahlenmäßigem Gleichstand, den wertvollsten Schuldschein sein eigen nennt. Dies wird jeweils in Form einer Bietrunde ermittelt. Wer seine Schuldscheine zwar präsentiert, aber (noch) nicht entschädigt wird, erhält zumindest etwas Geld als Zinsen.

Nachdem alle Adligen abgeklappert wurden, kann man auch noch beim König vorstellig werden. Dieser nimmt gern deren Schuldscheine, um auf sie Einfluss ausüben zu können, und bietet ebenfalls Privilegien (oder Geld) als Ausgleich.

Am Ende jeder Runde gibt es neues Geld, einige Siegpunke und die Möglichkeit, für das vorhandene Geld neue Schuldscheine zu erhalten. Je nach Anzahl und Art der Privilegien, die man erhalten hat, verteilen sich diese Aspekte bei jedem Spieler sehr unterschiedlich.

Ein interessanter Kniff soll dazu dienen, die beiden wichigsten Aspekte (Geld und Siegpunkte) gegeneinander auszubalancieren: Auf der Punkteskala sind zwei „Bremsen“ eingebaut: bei 25 und 45 Punkten ist für einen Spieler jeweils Schluss, solange er keine Kirche bzw. keinen Dom finanziert hat. Die Kirche hatte damals einen großen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg.

So sehr mir »Augsburg 1520« vom Prinizp her auch gefällt, es hat doch einige Schwächen. Da wäre zum einen der relativ langwierige Aufbau, bei dem zahlreiche Plättchen sortiert werden müssen. Dazu kommt die Tatsache, dass die Spieldauer mit zunehmender Spieleranzahl geradezu explodiert. Partien mit 5 Spielern (und dann 7 Runden) dauern gerne schon einmal 2 Stunden. Besonders unschön ist dies, weil oft schon frühzeitig im Spiel deutlich wird, welche Spieler überhaupt noch Chancen haben, zu gewinnen. Nicht selten ist schon in Runde 4 oder 5 klar, wer gewinnen wird…

Dazu kommt noch die grafische Gestaltung von Czarné, die mich überhaupt nicht anspricht. Zu grob, zu dunkel, zu unfreundlich. Aber das ist nur Geschmackssache.

2–5 Spieler, Spieldauer 25–75 Minuten (unsere Erfahrung 30-120 Minuten).

Fazit: Gutes Spiel mit leichten Schwächen. Zu fünft dauert es mir zu lange.

Stefan Malz, 26. September 2014 (#164)

 


Autor:
Karsten Hartwig

Illustration:
Czarné

Verlag:
alea

Erscheinungsjahr:
2006