Meinung: Die Tore der Welt


Die Vorlage zu diesem Spiel, der Roman »Die Tore der Welt« von Ken Follett, ist die Fortsetzung des Romans »Die Säulen der Erde«. Deshalb ist man versucht, auch bei den beiden gleichnamigen Spielen von „Anfang“ und „Fortsetzung“ zu sprechen.

Doch damit würde man beiden Spielen nicht gerecht werden. »Die Tore der Welt« ist ein komplett eigenständiges Spiel mit einem völlig anderen Spielgefühl als »Die Säulen der Erde«. Wurden vorher eigentlich „nur“ drei Sorten Baustoffe gesammelt und mittels Handwerkern verarbeitet, gibt es jetzt ein Füllhorn an Möglichkeiten.

Insgsamt 9 verschiedene Ressourcen (Wolle, Tuch, Getreide, Holz, Stein, Frömmigkeit, medizinisches Wissen, Loyalität und Geld) müssen gegeneinander abgewogen werden. Siegpunkte lassen sich auf unglaublich vielen Wegen erzielen, wobei jedes Spiel im Detail anders läuft und es schon deshalb keine allumfassende Siegstrategie geben kann.

Beim ersten Spiel erscheint das Spiel aufgrund vieler Zufälligkeiten sehr willkürlich: Die Ereigniskarten werden für jedes Spiel zufällig ausgewählt und treten in immer neuen Kombinationen und Reihenfolgen auf. Vor allem die dauerhaften Ereignisse können das Spielgeschehen komplett ändern, wenn plötzlich kein Warenverkauf mehr möglich ist oder dringend benötigte Rohstoffe zusätzlich Geld kosten.

Spätestens nach zwei bis drei Spielen aber, wenn man alle möglichen Ereignisse kennengelernt hat, wird es kontrollierbar und äußerst reizvoll. Zu fast jedem Moment muss man mit „Rückschlägen“ in Form vom Ereignissen rechnen. Doch weil diese in ihrer Anzahl endlich sind, kann man recht gut Vorsorge treffen.

Trotz des hohem Glücksanteils wird ein Spieler, der seine Strategie optimal an die Möglichkeiten anpasst, häufig als Sieger hervorgehen. Und dennoch hat, aufgrund eben dieses Glücksanteils, auch jeder andere Spieler die Chance, das Spiel zu gewinnen.

Aufgrund der vielen Ressourcen und der aufwändigen Auswahl der Ereigniskarten dauert der Aufbau relativ lange. Im Vergleich zur Spieldauer, die je nach Spontanität der Mitspieler zwischen 60 und 120 Minuten liegt, ist dies allerdings völlig in Ordnung.

Wieder ein wirklich gelungenes Literaturspiel für ambitionierte Spieler, das den Sonderpreis »Spiel des Jahres Plus 2010« verdient erhalten hat!

2–4 Spieler, Spieldauer 90–120 Minuten.

Fazit: Sehr abwechslungsreiches Strategiespiel mit guten Zufallselementen.

Stefan Malz, 21. Juli 2010 (#91)
 


Autoren:
Michael Rieneck &
Stefan Stadler

Illustration:
Michael Menzel

Verlag:
Kosmos

Erscheinungsjahr:
2009