Meinung: Drecksau


Eigentlich sind reine Kartenspiele nicht mein Ding. Und vor allem keine Kartenspiele, bei denen die Spieldauerangabe lächerliche 10 Minuten beträgt. Das kann doch nichts sein! Und dennoch – »Drecksau« gefällt mir richtig gut.

Zugegeben, es ist kein anspruchsvolles Spiel. Im Gegenteil, es lässt sich in zwei Minuten erklären und in gut zehn Minuten spielen. Und eigentlich ist es fürchterlich primitiv, denn der Spielausgang hängt fast vollständig vom Kartenziehglück ab. Ernsthafte taktische oder strategische Überlegungen sind nicht vonnöten.

Doch das originelle Thema und die sehr gut passenden Illustrationen führen immer wieder dazu, dass man Spaß mit diesem Spiel hat. Regelmäßig entwickeln sich verbale Interaktionen der Mitspieler, die nichts mit dem eigentlichen Spiel zu tun haben. Und wenn mal wieder jemand das Spiel dreisterweise schon nach drei Minuten gewonnen hat (was durchaus möglich ist), dann wird gleich noch eine Revanche gespielt.

Worum geht es bei »Drecksau« eigentlich? Jeder Spieler hat anfangs einige Schweine vor sich ausliegen, die noch wunderschön sauber und schweinchenrosa sind. Diese sollen dreckig werden, denn es gewinnt der Spieler, dessen Schweine zuerst komplett in Matsch eingepackt sind – Drecksäue halt…

Also versucht man seine eigenen Schweine dreckig zu machen und so auch zu behalten, während man gleichzeitig versucht, die Schweine der Mitspieler wieder sauber zu bekommen. Da werden Ställe gebaut und vernagelt, man lässt es regnen und freut sich, wenn der Blitz beim Mitspieler einschlägt.

Auf den Spieleveranstaltungen der letzten Monate war »Drecksau« immer wieder ein Renner. Es wurde häufig ausgeliehen, dann meist mehrfach gespielt und alle Mitspieler haben sich begeistert geäußert.

Auch in unseren Vielspielerrunden leistet die »Drecksau« immer wieder gute Dienste als Lückenfüller beim Warten auf das Ende paralleler Spielerunden. Ein oder zwei Partien gehen immer. Dieses Spiel ist denkbar einfach, aber gut!

2–4 Spieler, Spieldauer 10 Minuten.

Fazit: Primitiv – aber im positiven Sinn! Da spielen alle gerne mal mit…

Stefan Malz, 28. Februar 2013 (#150)
 


Autoren:
Frank Bebenroth

Illustration:
Frank Bebenroth &
Katja Witt

Verlag:
Kosmos

Erscheinungsjahr:
2012