Meinung: Egizia


»Egizia« war eines der Spiele, die nach dem Erscheinen für eine Menge Wirbel sorgten. Es gab massig Regelfragen und Diskussionen in Online-Foren. Grund dafür waren eine verbesserungswürdige Spielregel und vor allem sehr ungenaue Formulierungen auf den Spielkarten.

So sollte z.B. die Formulierung »Jederzeit« bedeuten, dass man eine Karten einmal im Spiel zu einer Zeit nach Wahl einsetzen kann. Viele interpretierten das »Jederzeit« aber verständlicherweise so, dass die Karte mehrfach einsetzbar wäre. Eindeutiger wäre hier der übliche Begriff »Einmalig« (oder die Zeichenfolge »1׫) gewesen.

Damit hatte dieses Spiel ein negatives Image weg, das es eigentlich nicht verdient hat. Denn es ist, sowohl grafisch als auch spielerisch, ein sehr gelungenes Spiel für Vielspieler. Wie bei Hans im Glück üblich, ist der Glücksanteil nicht gering, aber auch nicht übermächtig. Es gibt viele Möglichkeiten, an Siegpunkte zu kommen, und alle Wege scheinen gut austariert zu sein.

Die grafische Umsetzung passt sehr gut zum Thema und hat unter anderem eine Schachtel hervorgebracht, die in ihrer goldenen Wirkung ziemlich einzigartig ist. Die gewohnt gute Qualität des Spielmaterials komplettiert den guten Gesamteindruck.

Etwas ungünstig ist allerdings die Tatsache, dass die Regel recht umfangreich ist und die zahlreichen Wertungen und Kartentexte anfangs eine Menge an Erklärung notwendig machen. Dadurch wird der Einstieg in dieses eigentlich recht einfache Spiel deutlich erschwert.

Spätestens ab der zweiten Partie erschließt sich dann die wahre Schönheit des Spiels. Es gibt vieles zu bedenken, ohne dass ein großes Grübelpotential besteht. Die Spielzeit von ungefähr 90 Minuten erscheint genau richtig, nie kommt Langeweile auf.

Wäre zu hoffen, dass es bald eine Neuauflage geben wird, in der auch die ungünstigen Kartentexte korrigiert wurden – die Spielregel selbst liegt inzwischen in einer leicht überarbeiteten Fassung vor, die aber immer noch Optimierungspotential hat.

2–4 Spieler, Spieldauer 90 Minuten.

Fazit: Spiel mit hohem Wiederspielreiz, Schwächen in den Formulierungen.

Stefan Malz, 20. August 2011 (#121)
 


Autoren:
Acchittocca

Illustration:
Franz Vohwinkel

Verlag:
Hans im Glück

Erscheinungsjahr:
2009