Meinung: Great Western Trail


Der Job als Viehtreiber im Westen Amerikas ist nicht leicht. Ständig auf dem Rücken eines Pferdes und in Sorge um die eigene Viehherde. Und kaum hat man eine Herde abgeliefert, geht es schon wieder von vorne los…

In »Great Western Trail« treibt jeder Spieler seine Viehherde als Kartendeck durch die Prärie nach Kansas City. Unterwegs baut man Gebäude, tauscht Rinder und handelt mit Indianern, um Vorteile zu erlangen. Die eigene Eisenbahn wird ausgebaut, um die Tiere günstig abtrans­portieren zu können. Neu eingestellte Arbeiter, Ingenieure und Cowboys helfen dabei.

Trotz einer Vielzahl an Möglichkeiten ist jeder Spielzug schnell gemacht, und die Zeit verfliegt. Unterschiedlichste strategische Möglichkeiten sorgen für Abwechslung und den Wunsch, beim nächsten Spiel etwas ganz anderes auszuprobieren.

Interessant ist, wie unterschiedlich die Partien verlaufen können. Hat man einmal den empfohle­nen Startaufbau für Einsteiger verlassen und spielt mit zufällig verteilen Startgebäuden und einer Mischung von A- und B-Seiten der eigenen Gebäude, entsteht jedes Mal ein ganz anderes Spiel. Keine einzelne Strategie drängt sich auf, sondern je nach Situation können ganz andere Wege erfolgreich sein.

Interaktion ist ausreichend vorhanden, vor allem bei den Bahnhöfen (der jeweils erste kann mit dem Bahnhofsvorsteher einen sehr starken Bonus erhalten), dem Personalmarkt und den Veränderungen in Laufwegslängen und Kosten durch gegnerische Gebäude.

»Great Western Trail« ist wahrlich kein schnelles, kurzes Spiel – dennoch hat man nach den 2 oder gar 3 Stunden Spielzeit immer noch das Gefühl, dass das Spiel viel zu früh endet und man eigentlich noch so viel zu tun gehabt hätte…

Unterstützt wird das positive Spielerlebnis durch die farbenfrohe Spielplangrafik und eine gute Symbolik, die ohne nennenswerte logische Fehler daherkommt. Das Thema ist für ein Spiel dieser Art sehr gut eingebunden und alles greift ineinander.

Auch im Spielejahrgang 2016 hat somit eggertspiele für mich das Highlight geliefert. Im Gegen­satz zu »Mombasa« aus dem Jahr davor ist es zwar etwas aufwändiger zu erklären weil es einfach sehr viele Regeln gibt, dafür aber deutlich entspannter zu spielen. Und es funktioniert auch zu zweit sehr gut!

2–4 Spieler, Spieldauer 75-150 Minuten (unsere Erfahrung: 90-180 Minuten).

Fazit: Wieder ein geniales Spiel mit vielen strategischen Ansätzen und guter Interaktion.

Stefan Malz, 8. Oktober 2017 (#175)

 


Autor:
Alexander Pfister

Illustration:
Andreas Resch

Verlag:
eggertspiele

Erscheinungsjahr:
2016