Meinung: Lancaster


Spiele, die im Frühjahr erscheinen, haben es bei mir in der Regel etwas schwerer, ins Regal zu kommen. Sie ermöglichen es mir nicht, sie bei den Spieletagen in Essen schon einmal zu „befummeln“ und einen ersten Eindruck zu bekommen.

Trotzdem war mir von vornherein klar, dass ich dieses Spiel haben wollte. Natürlich schon deshalb, weil Matthias Cramer kürzlich mit »Glen More« ein sehr gutes Spiel abgeliefert hatte, und weil die Optik von »Lancaster« wirklich beeindruckend ist. Alleine das Cover macht echt Eindruck!

Aber natürlich auch, weil ich den Autor von »Lancaster« persönlich kenne. Nach über 100 veröffentlichten Meinungen zu Spielen bin ich aber sicher, ein Spiel ausreichend unabhängig bewerten zu können.

Als der Postbote dann endlich das Spiel ablieferte, war ich noch einmal beeindruckt. Weit über zwei Kilo wiegt es, und nach dem Öffnen der Schachtel war klar, warum. Massenhaft dicke Pappteile, Holz und ein großer Spielplan. Etwas nervig war nur das Aufkleben der Ritterstärken auf die Holzquader, aber das Ergebnis war umso schöner.

Nach Lektüre der Spielregel war die Begeisterung dann kurz gedämpt. Ist »Lancaster« etwa nur ein weiteres Worker-Placement-Spiel? Nach dem ersten Spiel war klar: ja und nein. Zwar werden die Ritter auf gemeinsame Aktionsfelder gesetzt und blockieren diese damit. Doch dann kommt der eigentliche Clou des Spiels: das Verdrängen!

Hier wird es fies, hier kann man Mitspieler ärgern und zur Weißglut treiben. Selten habe ich ein Spiel erlebt, das so hübsch und freundlich daherkommt und trotzdem so herrlich konfrontativ gespielt werden kann. Ritter werden verdrängt und Mehrheiten bei Konflikten verändert, wichtige Plättchen werden weggeschnappt oder blockiert, im Parlament wird regelmäßig böswillig gegen einen gestimmt.

Wer eher nachtragend ist, sollte sich deshalb überlegen, ob dies das richtige Spiel für ihn ist. Für alle anderen ist jede Partie »Lancaster« eine genüssliche „Schlacht“, die sich dadurch angenehm von vielen anderen aktuellen Spielen absetzt.

Das Spiel zu fünft kann deutlich länger werden als angegeben, da sehr viele Ritter im Spiel sind, die sich wenige Aktionsfelder teilen müssen. Dadurch kann es, vor allem mit unerfahrenen Spielern, zu längeren Verdrängungsphasen kommen. So kann das Spiel auch mal 90 Minuten oder länger dauern - ohne dabei langweilig zu werden!

2–5 Spieler, Spieldauer 60 Minuten (unsere Erfahrung: 60–90 Minuten).

Fazit: Sehr interaktives Strategiespiel, nichts für nachtragende Menschen.

Stefan Malz, 9. Juni 2011 (#116)
 


Autor:
Matthias Cramer

Illustration:
Claus Stephan &
Martin Hoffmann

Verlag:
Queen Games

Erscheinungsjahr:
2011