Meinung: Noblemen


»Noblemen« weiß gleich zu Beginn in vielerlei Hinsicht zu beeindrucken. Es beginnt bei einer schönen, farbenfrohen Titelgrafik auf einem sehr großen und schweren Karton. Weiter geht es beim Auspacken, wo einem unglaublich viel Holzmaterial und Pappe entgegenpurzeln. Da wird das Ausbrechen der Stanzteile zu einem Fest und das Verstauen aller Materialien, trotz des extrahohen Kartons, zu einer Herausforderung.

Beim ersten Spielaufbau stellt man fest, dass der Spieletisch schon wieder zu klein geraten ist. Ein mittelgroßer Spielplan, massig Spielmaterial, sehr große Sichtschirme für jeden Spieler und viel Platzbedarf für die Auslage der Anwesen aller Spieler fordern viel Platz ein. Gerade beim Spiel zu fünft wird jeder normale Tisch gesprengt.

Auch die Spielregeln beeindrucken mit 12 Seiten, ohne allerdings überladen zu wirken. Vielmehr ist alles logisch aufgebaut und mit vielen Grafiken bebildert und erläutert.

Und schließlich ist es heutzutage (leider) eher selten, dass bei einem familientauglichen Spiel unverblümt eine Spieldauer von bis zu 120 Minuten angegeben wird.

Bei einem solchen ersten Eindruck werden natürlich viele Erwartungen an das Spiel geweckt. Diesen kann »Noblemen« durchaus gerecht werden, auch wenn es vielleicht keine sensationell neue Mechanismen oder Spielideen enthält. Es ist eine sehr gelungene, reizvolle Kombination aus Elementen, die einem irgendwie bekannt vorkommen. Jedes Teil für sich ist schnell erklärt, aber alle zusammen ergeben ein durchaus komplexes Spiel. Das Spiel besteht hauptsächlich aus drei Teilen, die eng miteinander verwoben sind:

Jeder Spieler baut sich sein eigenes Anwesen aus Ackerflächen, Hainen, Brunnen und Wiesen auf. Jede Landschaftssorte dient dabei einem anderen Zweck: es wird Geld genierert, neues Land erworben, die Gunst der Königin erlangt oder Platz für Gebäude geschaffen. Dabei bringen Quadrate aus 4 gleichen Plättchen besondere Boni. Auf die Wiesen werden Gebäude gebaut, die selbst wiederum Vorteile mit sich bringen. Besonders günstig ist es, sie optimal zueinander zu platzieren – was mit dem Wunsch kollidiert, Landschaften in 4er-Quadraten auszulegen. Und schließlich findet sechsmal im Spiel ein Maskenball statt, für den es gilt, möglichst viel Prestige zu sammeln, denn nur so erlangt man einen möglichst wertvollen Adelstitel, der Siegpunkte und Vorteile mit sich bringt.

Die erste Partie sollte, wie bei Spielen dieser Größenordnung üblich, als Kennenlern­partie gesehen werden. Erst danach versteht man die Zusammenhänge zwischen den Anwesen, den Gebäuden und dem Maskenball. Und gerade diese machen das Spiel so vielseitig und spannend.

Trotz der Spieldauer von 120 Minuten, die in Partien zu fünft durchaus auch mal über­schritten werden kann, kommt eigentlich nie Langeweile auf. Alle Einzelaktionen sind schnell gemacht, und das gut gestaltete Spielmaterial unterstützt den Spielablauf mit einer konsequenten Symbolik.

3–5 Spieler, Spieldauer 75–120 Minuten.

Fazit: Ein üppig ausgestattetes, beeindruckendes, solides Aufbauspiel.

Stefan Malz, 31. Juli 2013 (#154)

 


Autor:
Dwight Sullivan

Illustration:
Oliver Schlemmer &
Claus Stephan

Verlag:
Pegasus

Erscheinungsjahr:
2012