Meinung: Sarkophag


Einerseits spiele ich sehr gerne Stichspiele. Aber andererseits stört mich bei den meisten Stichspielen, dass sie viel zu viele Regeln und Sonderfälle haben, um schnell erklärt und locker gespielt werden zu können. Oder aber sie geben eine große Anzahl an Runden vor und ziehen sich deshalb ewig. Aus diesen Gründen war ich bei »Sarkophag« anfangs sehr skeptisch, da es sich offentlich mal wieder um ein Stichspiel handelt.

Doch das Spiel hat mich und alle Spielegruppen schnell überzeugt. Die Regeln sind schnell erklärt, das Spielmaterial ist extrem hübsch illustriert und durch kurze Runden kann man die Spieldauer nach Belieben anpassen. Inzwischen sind die Spielkarten durch regelmäßige Nutzung schon ziemlich abgegriffen…

Worum geht es? Jeder Spieler erhält 10 von insgesamt 60 Karten mit den Werten von 1 bis 60 zugeteilt, dann werden 10 Stiche gespielt. Dabei bestimmt der jeweile zweite Spieler im Stich die Richtung, also ob Werte größer oder kleiner als der zuerst gelegte gespielt werden müssen. Wer letztlich den größten bzw. kleinsten Wert gespielt hat, erhält den Stich und muss sich alle auf den Karten gezeigte Mumienköpfe als Minuspunkte anschreiben. Als Ausgleich darf er den nächsten Stich beginnen, den er dadurch sicher nicht erhält. Auf diese Weise spielt man mehrere Runden, bis mindestens ein Spieler mehr als 100 Minuspunkte gesammelt hat. Meistens sind dies 5 oder 6 Runden.

Durch die strenge Vorgabe, immer größere oder kleinere Werte spielen zu müssen, ist der Erfolg jeder einzelnen Runde stark von der zufällig zugeteilten Auswahl an 10 Karten abhängig, und der Einfluss ist nicht so groß, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Dennoch kommt immer wieder viel Spaß auf, der zu einem großen Teil von Schadenfreude befeuert wird. Zu schön, wenn man in einem Stich für einen Gegenspieler noch mal eben schnell eine Karte mit 5 Mumienköpfe hineinwerfen kann!

Lediglich zu dritt ist der Spielspaß eher gering. Da erst nach den ersten beiden Karten eines Stichs die Richtung festgelegt ist, bleibt bei drei Spielern nur noch eine Karte übrig, die dieser Regel folgen muss – das ist zu wenig, um wenigstens ein bisschen Spannung aufzubauen. Zu sechst hingegen dauert jede einzelne Runde gefühlt zu lange. Das meiste Vergnügen bereitet uns »Sarkophag« deshalb zu viert und zu fünft.

3-6 Spieler, Spieldauer 15 Minuten (unsere Erfahrung: 30 Minuten, bis jemand 100 Totenköpfe gesammelt hat).

Fazit: Schon wieder ein Stichspiel? Ja, aber ohne komplizierte Regeln und angenehm flott.

Stefan Malz, 31. August 2016 (#170)
 



Autor:
Michael Feldkötter

Illustration:
Claus Stephan

Verlag:
Amigo-Spiele

Erscheinungsjahr:
2015