Meinung: Schatzjagd


Ich gebe zu, dass es für mich als spielerfahrenen Erwachsenen schwer ist, ein Kinderspiel wirklich fundiert zu bewerten. Mein Anspruch an Spiele jeder Art ist relativ hoch, und aufgrund der Erfahrungen mit unserem Sohn muss ich annehmen, dass auch Kinder einen ähnlich hohen Anspruch haben können.

Mit »Schatzjagd« hat Haba ein Spiel herausgebracht, das eigentlich alle notwendigen Konponenten für ein gutes Kinderspiel enthält: ein ansprechendes Thema mit schöner Illustration, ein hoher Glücksanteil, trotzdem geistige Anforderungen wie Gedächtnis und Vorausplanung.

Aber irgendwie wollte der Funke weder bei uns Erwachsenen noch bei den Kindern so recht überspringen. Woran dass genau liegt, kann ich nicht wirklich sagen.

Ein Problem dürfte sein, dass der Spielausgang oft zur Hälfte des Spiels bereits abzusehen ist. Gerade im Spiel zu zweit ist dann oft sogar für Kinder erkennbar, wer gewinnen wird, und somit die Spannungskurve auf dem Tiefpunkt. Denn das Spiel teilt sich in zwei Hälften: In der ersten Hälfte deckt jeder Spieler für sich Wegeplättchen auf und bewegt seinen Piraten, um zum Schatz in der Spielfeldmitte zu gelangen. Hat ein Spieler dies geschafft, muss er „nur“ noch zu einem Schiff zurück.

Weil zu diesem Zeitpunkt aber bereits ein Großteil der Wegeplättchen bekannt ist (oder zumindest sein könnte, wenn das Gedächtnis hinreichend trainiert ist), ist der schnellste Weg dorthin leicht zu finden. Spieler, die noch etwas hinterher hinken, können den Vorsprung höchstens noch im Spiel zu dritt oder viert aufholen, wenn sie sich gegen Führenden verbünden und Würfelglück haben. Im Spiel zu zweit ist diese Chance kaum vorhanden.

Vielleicht sind unsere Ansprüche an Spiele ja auch schon zu hoch. Aber ich erwarte von einem guten Spiel, dass wirklich erst am Ende feststeht, wer es gewinnen wird. Das gilt für Kinderspiele genauso wie für Erwachsenenspiele. Denn nichts ist frustrierender als sich zum Statisten verurteilt zu fühlen.

Die Altersangabe »ab 7« kann ich nicht verstehen. Denn mit 7 Jahren können Kinder schon anfangen, Erwachsenenspiele zu spielen. Da werden sie wenigstens noch etwas gefordert.

2–4 Spieler, Spieldauer 15–20 Minuten.

Fazit: Für Fünfjährige vielleicht eine Herausforderung, ansonsten flau.

Stefan Malz, 20. Mai 2010 (#85)
 



Autor:
Katja & Markus Nikisch

Illustration:
Ulrike Fischer

Verlag:
Haba

Erscheinungsjahr:
2003