Meinung: Stratego


Vor 50 Jahren, als diese Ausgabe von »Stratego« erstmals erschien, sah die Spiele-Welt noch völlig anders aus:

Es gab noch keine 500 Spiele-Neuheiten jedes Jahr, man konnte nicht im Internet nach Rezensionen und Meinungen stöbern, es gab kein „Spiel des Jahres“ und keinen „Deutschen Spielepreis“ und wenn ein großer Verlag ein neues Spiel herausbrachte, wurde es mit Ehrfurcht behandelt.

Ich erinnere mich noch daran, dass »Stratego« das erste reine 2-Personen-Spiel war, dass ich abgesehen von Schach besaß – und ich hatte es mir selbst gekauft! Entsprechend oft wurde es gespielt, und das Gefühl, richtig „Krieg“ gegen meinen Gegenspieler führen zu können, übte auf mich als Jugendlicher einen großen Reiz aus.

Dann versank es für Jahrzehnte im untersten Fach eines Schranks und war lange nicht mehr gesehen. Vor zwei Jahren grub es mein Sohn wieder aus und natürlich musste es ausprobiert werden. Die Regeln kannte ich noch (waren sie so genial oder so primitiv?), und so konnte das erste Spiel schnell beginnen.

Inzwischen haben wir es einige Male gespielt und mussten für uns feststellen, dass es eigentlich furchterregend unaufregend ist.

Jede Partie beginnt für jeden Spieler mit einer relativ nervigen Phase des „40 Figuren aus der Verpackung fummeln, aufstellen, mischen und verdeckt auf dem Spielfeld verteilen“. Dafür gehen problemlos die ersten 15 Minuten der Spieldauer drauf. Diese Zeit ist aber wichtig, da die Aufstellung spielentscheidend sein kann (und meistens auch ist).

Erst anschließend beginnt das eigentliche Spiel, welches stark von der Startaufstellung abhängt und zu Beginn eigentlich ein reines Glückspiel ist. Man versucht, nach und nach die Positionen der gegnerischen Figuren zu erkunden, ohne dabei auf Bomben zu treffen, und schließlich die Fahne des Gegners zu erobern.

Klingt alles sehr strategisch – und das ist es auch. Aber trotzdem fehlt mir jegliche Spannung und spielerische Leichtigkeit. Vielleicht bin ich einfach nur nicht in der Lage, den tieferen Reiz dieses Spiels zu entdecken, aber mich langweilt es.

Den Aufbau macht jeder für sich – öde. Einen Großteil des Spiels spielt man „blind“ – langweilig. Der Spielablauf ist monoton, denn es wird abwechselnd immer genau eine Figur gezogen und angegriffen oder nicht. Mehr Möglichkeiten gibt es nicht. Und wenn es gerade interessant wird, weil man hinreichend Informationen über die Gegenseite gesammelt hat, ist das Spiel schon zu Ende oder zumindest klar, wer gewinnen wird.

Wenn ich ein reines Strategiespiel zu zweit spielen möchte, dann nehme ich entweder Schach oder eins der vielen „modernen“ Strategiespiele, die sich auch zu zweit gut spielen lassen und viel mehr Abwechslung und Spannung bieten.

2 Spieler, Spieldauer 60 Minuten.

Fazit: Ein Klassiker der 2-Personen-Strategiespiele, aber ziemlich flau.

Stefan Malz, 6. Januar 2011 (#107)
 


Autor:
Jacques Johan
Mogendorff

Illustration:
Donato Giancola

Verlag:
Jumbo

Erscheinungsjahr:
1959