Meinung: Caylus Magna Carta


Nachdem es vor einigen Jahren Mode wurde, zu jedem großen Brettspiel eine Kartenspielvariante herauszubringen, ist auch Ystari auf diesen Zug aufgesprungen. Mit »Caylus Magna Carta« wurde eine Abwandlung von »Caylus« geschaffen, die ohne Spielbrett auskommt. Im Gegensatz zum Doppel »Puerto Rico« und »San Juan« wurde hier allerdings der Spielablauf in weiten Teilen beibehalten, und auch die Ausstattung geht mit zahlreichen Holzteilen und Markern über ein einfaches Kartenspiel weit hinaus.

Ziel des Spiels ist es, beim Bau des Schlosses Caylus Siegpunkte zu erlangen. Dazu werden Rohstoffe erworben, die am Schloss oder für eigene Gebäude verbaut werden. Es bildet sich eine immer länger werdende Straße, auf der reges Treiben herrscht. Aber auch Geld spielt eine große Rolle, welches über Miete für Produktions- und Wohnhäuser erwirtschaftet werden kann. Gold fungiert als universeller Rohstoff und ist selbst Siegpunkte wert. Und Gebäude mit Prestige bringen ebenfalls Siegpunkte.

Wer »Caylus« kennt, wird mit »Caylus Magna Carta« sofort klarkommen, und kann die Einsteigerregel komplett überspringen. Durch zufällig gezogene Handkarten als zu bauende Gebäude ist ein etwas höherer Glücksanteil vorhanden als beim großen Bruder, aber dieser wirkt sich nicht negativ aufs Spiel aus.

Trotz aller Vorzüge kann mich das Spiel in dieser Fassung aber noch nicht so recht überzeugen. Durch das Weglassen der Günste fehlt eine wichtige Einflusskomponente, und auch sonst sind die Möglichkeiten der gegenseitigen Einflussnahme spürbar geringer als bei »Caylus«. Für alle, die erst einmal klein anfangen möchten, ist »Caylus Magna Carta« allerdings ein guter Einstieg. Aber auch hier würde ich empfehlen, gleich mit den Standardregeln zu beginnen.

Wer dann nach einigen Partien den Ablauf verinnerlicht hat und meint, er könne mehr davon vertragen, sollte sich die Erweiterung aus der Ystari-Box zulegen. Damit erhält man ein deutlich vielschichtigeres Spiel für bis zu 5 Spieler, welches schon dicht an »Caylus« harankommt.

Zu zweit ist »Caylus Magna Carta« übrigens nicht zu empfehlen, da hier die fehlenden Einflussmöglichkeiten sich besonders deutlich zeigen, und auch der Vogt kaum sinnvoll benutzt werden kann. Ab drei Spielern funktioniert es aber tadellos.

2–4 Spieler, Spieldauer 45–75 Minuten.

Fazit: Klar erkennbar der kleine Bruder von »Caylus« – nett gemacht!

Stefan Malz, 12. Mai 2010 (#84)
 


Autor:
William Attia

Illustration:
Arnaud & Cyril Demaegd

Verlag:
Ystari

Erscheinungsjahr:
2007