Meinung: Havanna


Mit »Havanna« ist eggertspiele mal wieder ein besonders hübsches Spiel gelungen. In Anlehnung an das Erfolgsspiel »Cuba« wurde das Spiel in die Hauptstadt Cubas verlegt. Viele der grafischen Elementen (Charaktere und Gebäude) finden sich wieder, und die Verpackung nutzt das gleiche Farbschema.

Das war es dann allerdings auch an Ähnlichkeiten. »Havanna« ist ein völlig eigenständiges Spiel, das eine nette Mischung aus Zufall, Glück und Taktik bietet. Langfristige Strategien sind eher nicht möglich, was bei einer Spieldauer von 30 bis 45 Minuten aber auch nicht zu erwarten ist.

Vielmehr lebt dieses Spiel von der ständigen Interaktion der Mitspieler. Jede Aktion, die ein Spieler wählt, beeinflusst die anderen Mitspieler teilweise massiv. Insofern ist »Havanna« ein Spiel, das eher nicht für zarte Seelen geeignet ist. Man muss bereit sein, sich auf einen „Kampf“ mit allen Mitteln einzulassen. Es werden Arbeiter, Geld und Rohstoffe geklaut und Gebäude zerstört, und jeder versucht, dem anderen zuvorzukommen.

Das Spiel wird über Aktionskarten gesteuert, mit denen jeder Spieler pro Runde zwei Aktionen auswählen kann. Eine dieser Aktionskarten wird anschließend abgeworfen, und kann erst später mittels einer weiteren Aktion oder nach langer Wartezeit wieder aufgenommen werden.

Dadurch ist es notwendig, den Einsatz jeder Aktionskarte gut zu überlegen. Ob eine Taktik allerdings aufgeht, hängt stark von den Mitspielern ab. Trotz weniger Mittel gibt es, auch abhängig vom zufällig gezogenen Nachschub in jeder Runde, viele mögliche Wege zum Ziel.

Insgesamt ein angenehm schnelles und doch tiefschichtiges Spiel, das allerdings in einem kleineren Karton hätte verpackt werden können. Zu zweit sollte es bis 30 Punkte (anstatt nur 25) gespielt werden, um das durch die geringere Interaktion dominantere Glück etwas auszugleichen.

Noch ein Tipp: Viele Spieler sind am Anfang versucht, die Karte »Komm zurück« dauerhaft ausliegen zu lassen, um benutzte Aktionen immer wiederzubekommen und relativ früh in der Spielreihenfolge zu sein. Gegen erfahrene Spieler wird dieser Weg nur sehr selten zum Erfolg führen, da diese mit jeweils 2 Aktionen pro Runde deutlich schneller ans Ziel kommen!

2–4 Spieler, Spieldauer 30–45 Minuten.

Fazit: Erfrischend interaktives Spiel, zu zweit etwas schwächer.

Stefan Malz, 4. März 2010 (#76)
 


Autor:
Reinhard Staupe

Illustration:
Michael Menzel

Verlag:
eggertspiele

Erscheinungsjahr:
2009