Meinung: Scheibenwelt Angk-Morpork


Vielleicht bin ich als jemand, der noch keinen der Scheibenwelt-Romane gelesen hat, nicht wirklich in der Lage, das Spiel zu beurteilen. Aber bei »Die Tore der Welt« und »Die Säulen der Erde« hat es ja auch funktioniert…

Ich erinnere mich noch gut an die Erklärung des Spiels, die ich von einem Kosmos-Redakteur erhalten habe. Sie begann sinngemäß mit folgendem Satz: Das Spiel ist ganz einfach – man legt eine Karte, führt den Text darauf aus, und zieht eine neue Karte.

Das klingt einfach, und das Spiel ist genauso einfach. Leider in jeder Hinsicht. Da mir jegliche Bezüge zu den Romanen verborgen bleiben, sehe ich nur die Elemente und Möglichkeiten des Spiels. Und das sind wahrlich nicht viele.

Jeder Spieler erhält anfangs eine von 5 möglichen Siegbedingungen zufällig zugelost, wobei eine davon dreimal im Spiel ist. Dann versucht jeder, sein persönliches Ziel möglichst unauffällig zu erreichen. Klingt spannend, ist es aber häufig nicht, da die Kartenhand die Auswahl an Aktionen deutlich einschränkt.

Hat man als Ziel, eine bestimmte Geldmenge zu bekommen, bekommt man sicherlich im ganzen Spielverlauf keine einzige Karte, die einem Geld einbringt. Muss man viele Gebiete kontrollieren, fehlen einem Karten, mit denen man Handlanger einsetzen kann. Und wenn man doch einmal halbwegs Glück mit den Handkarten hat, kommen Ereignisse, die bisher Erreichtes wieder zunichte machen.

Besonders schlimm wird das Spiel, wenn ein Spieler als Ziel hat, dass der ganze Kartenstapel durchgespielt wird. Dieser muss aktiv nichts erreichen und kann seine ganze Aufmerksamkeit auf das Stören der Mitspieler lenken. Das Spiel zieht sich dann oft in die Länge wie Kaugummi.

Für mich ist »Scheibenwelt Angk-Morpork« nicht gemacht. Wenig Kontrolle, wenig nachhaltige Entscheidungsmöglichkeiten, viel systembedingte Willkür, kein echter Spannungsbogen und eine düstere, unübersichtliche Grafik.

Schade, ich hätte es mögen wollen!

2–4 Spieler, Spieldauer 60–70 Minuten.

Fazit: Für Terry Pratchett-Fans sicher reizvoll, ansonsten nur mittelmäßig.

Stefan Malz, 23. Dezember 2011 (#127)
 


Autor:
Wartin Wallace

Illustration:
Peter Dennis etc.

Verlag:
Kosmos

Erscheinungsjahr:
2011